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Der selbstverfasste Gedichtsthread

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    Der selbstverfasste Gedichtsthread

    Hey folks,

    hab eben ein Gedicht gefunden, was ich damals mit 2 Freunden in der Schule geschrieben habe. Ziel war es, meiner Lehrerin damit zu beweisen, das nicht jeder Künstler sich den Bullshit beim Schreiben denkt, den wir heutzutage da rein interpretieren (müssen). Sie hat natürlich nach der Sichtung unseres Gedichts eine Epcheneinordnung vorgenommen und argumentiert, weshalb das Gedicht in dieser Zeit verfasst wurde und was der Künstler sich dabei gedacht hat. Nach der Auflösung, das wir das Gedicht innerhalb einer halben Stunde geschrieben haben, hat sie nichts mehr zu uns gesagt für den Rest der Woche.
    Naja jetzt wollte ich einfach mal eure Meinung zu dem Gedicht hören und vielleicht auch Gedichte von euch lesen. Obv keine 1337-Teile, da nicht im Trash, sondern im off.

    Naja, here we go:

    Der Spielmanns Wetterfluch
    Spoiler: 

    Der Feldweg brennt, die Solen wund,
    Im Staub erstickt des Spielmanns Mund.
    Der Schleier klebt an Haut und Haar,
    Im Wasserdunst, der Arme Narr.

    Der Wald der sonst die Kühle bringt,
    Mich Spielmann in die Knie zwingt.
    Ein jedes Vieh das beißt und sticht,
    Suchte mich heim, den Armen Wicht.

    Ich ganzer Mann kaputt und leer,
    Nur noch der Geist setzt sich zur Wehr.
    Er denkt an Kühle und an Wind,
    Und glaubt das Dünen Quellen sind.

    Der Spielmann fällt, er sieht den Tod,
    Ein letztes Lied in größter Not.
    Ein letzter Fluch den er vollbringt,
    Er zürnt in fremder Sprach und singt:

    Was ist’s was mich zu Tode schmort?
    Wer hat die Macht, meld‘ dich zu Wort!
    War ich den je ein schlechter Sohn?
    Ist das dein Dank, ist das dein Lohn?

    Fluch! Dem der mich streben lässt.
    Fluch! Dem Mensch dem Tier dem Rest.
    Fluch! Der Welt und ihrem Tun.
    Tot! Dem Spielmann lasst ihn ruhn.

    Wo ist der Sinn im kurzen Sein?
    Das ganze Leben trug und Schein.
    Wir sind allein, ein jeder Wicht!
    Den Sinn im Leben gibt es nicht.

    Fluch! Dem Nichts, dem leerem Sinn.
    Fluch! Dem was ich war und bin.
    Fluch! Dem Glauben und dem Geist.
    Die Seele tot, der Blick vereist.

    Doch Wind kommt auf!
    Rasant und schnell,
    Und schwarze Wolken, lauts Gebell,
    Der Himmel schließt sich rasch im Graun.

    Kann’s sein, darf ich den Augen traun?
    Hab ich doch etwas erzürnt?
    Schau wie’s kracht, wie’s blitzt, wie’s stürmt!
    Ein Spielmann? Nein! Ich bin der Gott.

    Vorbei’s der alte fade Trott,
    Herbei du kalter kühler Wind!
    Herbei der Wolken Wolkenkind!
    Der Wald, das Feld, ein jedes Tier.

    Der Spielmann schreit: Komm her zu mir!
    Der Regen fällt wie Wein zu Grund,
    In des Spielmanns trocknen Mund.
    Er steht auf, rennt wild umher,

    War das alles? Gib mir mehr!
    Oh! Wie’s in meinem Magen kocht.
    Oh! Wie mein Herz im Laufschritt pocht.
    Oh! Wie die frische Luft mich treibt,

    Dass keiner glaubt, dem man’s beschreibt,
    Doch hurtig rauf zum höchsten Punkt!
    Wo’s blitzt, wo’s kracht, wo’s zischt und funkt!
    Dort will ich sein, dort liegt mein Sinn.

    Der Spielmann ist nun mitten drin,
    Er streckt sich hoch vom Blitz gebannt,
    Sein Blick vereist, er schaut gespannt.
    Freiheit! Ist sein letztes Wort.

    Der Spielmann ist,
    Der Spielmann fort.

    #2
    Es ist auch nicht Ziel einer Gedichtinterpretation, dass zu zu interpretieren, was der Autor sich da reingedacht hat, das ist generell nicht das Ziel von literarischen Analysen.
    Das wird nur leider oftmals vergessen, wenn ein Lehrer seine Klasse dazu nötigt, genau das zu tun.

    Zumal in eurem Fall es nicht mal eine Autor gibt. Da sind Rückschlüsse auf die Epoche eh nur Stochern im Schwarzen. In eurem Fall ist alles, was über eine hermeneutische Interpretation hinausgeht, mMn zu viel.

    Hättet ihr den Text noch mit einer fiktiven Jahreszahl versehen, könnte man theoretisch noch im historisch-kulturellen Zusammenhang interpretieren, und das dann auch völlig zurecht. Dann zieht auch euer Fake-Argument nicht mehr, weil sich dann mit Angabe einer Jahreszahl die Voraussetzungen geändert haben.

    Wäre ähnlich, wenn man irgendwas Fake-Datiertes von z.B. den Maya finden würde. Auch wenn die Jahreszahl frei erfunden wäre, würde man, solange man nichts gegenteiliges weiß, sie zur Neuinterpretation der Geschichte heranziehen. (Geschichte ist ja weitesgehend auch eine Interpretation der Ereignisse und keine vollständige objektive Darstellung der Ereignisse.

    Deswegen war euer Clou gegen die Lehrerin natürlich witzig und dahingehend gelungen, dass gezeigt wurde, dass sie banal reduziert mit dieser "Autor wollte dies und das sagen Masche" aufgeflogen ist.

    Gedicht finde inhaltlich gelungen, mMn ein Sturm und Drang Gedicht (btw. man kann auch noch heute GEdichte natprlich schreiben, die formal den Merkmalenm einer vergangengen EPoche entsprechen, in eurem Fall seid ihr einfach Stürmer und Dränger (bzw. Aufklärer)

    Plus noch was von mir
    Spoiler: 

    Stadtrandale

    Tapetenwechsel.
    Der wievielte?
    Die Bühne bebt einmal mehr.
    Das flüsternde Stadttheater erhebt seine nächtliche Stimme zu einem konzentrierten Gemurmel.
    Rauschende Klänge weben ihren Weg entlang verstummter Mauern.
    Das grau ächzt seine letzten Töne raus, bevor es für immer verstummt.
    Die entspannte Trostlosigkeit der Menge schlendert vergnügt durch die pulsierenden Straßen.
    Ashphaltgespräche durchbrechen das immerwährende gleiche Lustspiel.
    Klangspiele erreichen mich.
    Der Blick der Stadt vermeidet Konkretes.

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      #3
      Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen.

      Aber ich kann 'ne Gedichtsanalyse schreiben. In 4 Sprachen.

      Kommentar


        #4
        Zitat von Jesse Woodson
        Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen.

        Aber ich kann 'ne Gedichtsanalyse schreiben. In 4 Sprachen.
        so viel zum thema sprachen

        Kommentar


          #5
          Sie kamen auf B,
          Sie kassierten.

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            #6
            ene mene miste
            ich finger nicht ich fiste

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              #7
              day drinker wisdom //
              frosty beer on a cold day //
              equilibrium //

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                #8
                War obv keine gute Lehrerin, hätte ihr spätestens hier auffallen müssen: "War ich den je ein schlechter Sohn?"
                Ne ernsthaft, sehr gut geschrieben, alle Achtung, hat mir gefallen!
                Ansonste sagt Mundharmonika schon viel richtiges, würde mich der Einschätzung des Sturm und Drangs anschließen, wobei das rein gefühlsmäßig ist.

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                  #9
                  In Extremo war doch da Vorbild, oder? ;)

                  Spoiler: 
                  Es war einmal ein König
                  An Land und Dingen reich
                  Der saß auf seinem Throne
                  Finster und bleich

                  Was er sinnt ist Schrecken
                  Was er blickt ist Wut
                  Was er spricht ist Geißel
                  Was er schreibt ist Blut

                  Einst zog zu diesem Schlosse
                  ein edles Sängerpaar
                  Einer schwarze Locken
                  der Andere grau von Haar
                  Der Graue sprach zum Jungen:
                  Sei bereit, mein Sohn
                  Spiel die besten Lieder
                  Stimm an den vollsten Ton

                  Es regnet - es regnet Blut!
                  Es regnet - den Spielmanns Fluch!
                  Es regnet - es regnet Blut!
                  Es regnet - den Spielmannsfluch!

                  Es spielen die beiden Sänger
                  im hohen Säulensaal
                  Auf dem Throne sitzt
                  das Königspaar
                  Der König so prächtig
                  Wie blutiger Nordenschein
                  Die Königin so süß
                  Wie der Sonnenschein

                  Sie singen von Lenz
                  Liebe, Heiligkeit
                  Sie zerfloss in Wehmut
                  Lust war auch dabei
                  Ihr habt mein Volk geblendet
                  Verlangt ihr nun mein Weib?
                  Der König schreit wütend
                  Er bebt am ganzen Leib

                  Es regnet - es regnet Blut!
                  Es regnet - den Spielmanns Fluch!
                  Es regnet - es regnet Blut!
                  Es regnet - den Spielmannsfluch!

                  Des Königs Schwert blitzend
                  Des Jünglings Brust durchdringt;
                  Statt der goldnen Lieder
                  Nun ein Blutstrahl springt
                  Der Jüngling hat verröchelt
                  In seines Meisters Arm
                  Da schreit der Alte schaurig
                  Der Marmorsaal zerspringt

                  Du verfluchter Mörder
                  Du Fluch des Spielmanns Tun
                  Umsonst war all dein Ringen
                  Denn Blut befleckt dein Ruhm

                  Des Königs Namen meldet
                  Kein Lied, kein Heldenbuch
                  Versunken und vergessen
                  Das ist des Spielmanns Fluch!

                  Es regnet - es regnet Blut!
                  Es regnet - den Spielmanns Fluch!
                  Es regnet - es regnet Blut!
                  Es regnet - den Spielmannsfluch!

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