Ich habe lang überlegt, was ich zu meinem 3000. Post hier schreiben soll. Und bevor nun jemand kommt mit "Wayne?": mir bedeuten solche Dinge wirklich viel. Zwar bemühe ich mich immer etwas mehr als nur den Offtopic-standardkram zu posten, doch möchte ich mir bei dieser Sache noch etwas mehr Mühe geben. Denn ich diese dieses Forum zu allererst als Austauschplattform an. Mit Leuten in meinem Alter mit meinen Interessen mit einer ähnlichen Einstellung.
Ich habe hier nicht vor groß über den Sinn des Lebens zu philosophieren. Das könnte ich auch nur auf einem äußerst niedrigen Niveau. Mir geht es hier aber dennoch darum etwas anzusprechen, was uns alle betrifft. Etwas grundlegendes, was viele ins Grübeln bringt und fordert - viele auch überfordert.
Ich weiß von vielen, dass sie nicht glücklich sind mit ihrem Leben. Nun kann das jedem passieren; das Erschreckende daran jedoch ist, dass es sich dabei ausschließlich um junge Menschen handelt; mit gutem Studium oder Ausbildung und guten Noten, mit vielen Freunden, mit Familie, mit Hobbies, ohne finanzielle Schwierigkeiten. Das sind Menschen, die nach außen glücklich wirken - deren Leben perfekter nicht sein könnte - und die dennoch kurz davor sind zu zerbrechen.
Ich hatte vor kurzem ein Gespräch mit einem Kommilitonen. Auch er passte in das Schema "perfekter Mensch". Was er mir aber erzählte, wirkte nicht mehr perfekt. Lernen - Zeitdruck - Versagens- und Zukunftsängste - das Gefühl allein zu sein; immer - das elendige Gefühl zu fallen mit dem Wunsch endlich am Tiefpunkt aufzuschlagen - Rückschläge, die doch bei reeller Betrachtung keine sein sollten und doch auf lächerlichste Art und Weise ganz besonders hart treffen.
Freunde? Spenden nur kurzfristig trost, bevor alles in doppeltem Maße neuentfacht entgegenpeitscht. Familie? Kann entweder auch nur kurzfristig auffangen oder war niemals da.
Und ich kannte das, was er da erzählte. Und etlichen Leuten hier wird das ebenso bekannt sein. Wir leiden unter dem, was uns jahrelang eingetrichtert wurde: Erfolg um jeden Preis. Bei den Wenigsten fing das nicht schon auf der Schule an. Ich kann mich an meine Stufe als eine Gruppe von Personen erinnern, die einander Pest und Cholera an den Hals wünschte, war jemand auch nur einen Hauch näher an der Bestnote, als sie selbst. Nur die Leistung zählte - was vor allem die Lehrer vermittelten. Doch im Gegensatz zu früheren Generationen, hat sich meine nicht aufgelehnt. Nein, wir haben noch einen oben drauf gesetzt. Wir haben uns schon in der Schule das Leben zur Hölle gemacht - nicht aus Druck der Eltern oder der Schule, sondern von uns selbst heraus - und das nur damit wir etwas besser waren als die anderen. Wo die Generation meiner Eltern gesagt hat: "Wir sind Schüler/Studenten. Das ist der Zeitpunkt für uns zu leben und uns zu verwirklichen, bis wir mehr als 40 Stunden wöchentlich in einem verstaubten Büro hocken" sagen wir: "Wir sind Schüler/Studenten. Wir bringen uns an unsere Leistungsgrenzen, damit wir später mehr als 40 Stunden wöchentlich in einem verstaubten Büro hocken dürfen.".
Die Rebellion, das Bestreben das Mittelmaß zu finden, gelingt unserer Generation nicht mehr. Unsere Eltern waren nicht faul oder schlecht in der Uni. Sie haben nur nicht aus den Augen verloren, dass es noch mehr gibt, als nur die Arbeit. Dass es mehr gibt, als jede Sekunde des Lebens für die Arbeit oder einen zwanghaft sinnvollen Zeitvertreib zu nutzen.
Und das liegt daran, dass auch dieses Land stetig sein Mittelmaß verliert. Zwischen Hartz4-Empfänger und Akademiker scheint es nicht viel zu geben - zumindest wird uns das durch unsere Gesellschaft suggeriert. Also entweder du machst dich zu etwas, oder du wirst erbarmungslos fallen gelassen. Willkommen in der Leistungsgesellschaft. Was als Modell für das Personalwesen etlicher Unternehmen von Think Tanks erdacht wurde, hat sich nun auf unsere gesamte Gesellschaft niedergeschlagen oder ist auf dem besten Weg dazu.
Noch viel schlimmer ist aber doch, wie schamlos damit umgegangen wird. An meinem ersten Tag im Studium wurde ich vom Dekan mit den Worten begrüßt: "60% unter ihnen werden den Abschluss nicht schaffen. 85% davon nicht über 3,0.". Die erste Folie, die mein Kriminologieprofessor in der ersten Vorlesung des ersten Semesters auflegte, war eine Übersicht von Abschlusszahlen meines Studienganges, schön in einem Pie-Chart in Noten eingeteilt, und das dazu durchschnittlich zu erwartende Brutto-Einkommen. Es gab noch ~15 weitere Vorlesungen - ich erinnere mich an keine einzige.
Was mir mein Kommilitone erzählte, leben ich und viele mehr Tag für Tag. Die Angst zu versagen. Die Angst, doch nur wieder durchschnittlich zu sein und daraufhin in der Masse am Existenzminimum zu versinken. Das, was einen allgegenwärtig verfolgt und die daraus folgenden Gefühle: Einsamkeit, Depression, Perspektivlosigkeit - Leere.
Und wir sind nur Opfer unserer selbst, wenn wir uns zu dem haben machen lassen, was wir sind. Nun hat sich diese Sozialisation aber als so erfolgreich entpuppt, dass nichtmal das Wissen um das Schema reicht, um es zu durchbrechen. Obwohl ich unglücklich bin, werde ich mich auch morgen wieder an meine Lehrbücher und Kommentare setzen. Auch morgen werde ich mir dessen bewusst sein. Und auch morgen werden ich, mein Kommilitone und viele andere auch keinen Ausweg finden, als uns dem zu fügen, zu dem wir uns haben verkrüppeln lassen.
tl;dr:
wie findet ihr dieses lied?
Ich habe hier nicht vor groß über den Sinn des Lebens zu philosophieren. Das könnte ich auch nur auf einem äußerst niedrigen Niveau. Mir geht es hier aber dennoch darum etwas anzusprechen, was uns alle betrifft. Etwas grundlegendes, was viele ins Grübeln bringt und fordert - viele auch überfordert.
Ich weiß von vielen, dass sie nicht glücklich sind mit ihrem Leben. Nun kann das jedem passieren; das Erschreckende daran jedoch ist, dass es sich dabei ausschließlich um junge Menschen handelt; mit gutem Studium oder Ausbildung und guten Noten, mit vielen Freunden, mit Familie, mit Hobbies, ohne finanzielle Schwierigkeiten. Das sind Menschen, die nach außen glücklich wirken - deren Leben perfekter nicht sein könnte - und die dennoch kurz davor sind zu zerbrechen.
Ich hatte vor kurzem ein Gespräch mit einem Kommilitonen. Auch er passte in das Schema "perfekter Mensch". Was er mir aber erzählte, wirkte nicht mehr perfekt. Lernen - Zeitdruck - Versagens- und Zukunftsängste - das Gefühl allein zu sein; immer - das elendige Gefühl zu fallen mit dem Wunsch endlich am Tiefpunkt aufzuschlagen - Rückschläge, die doch bei reeller Betrachtung keine sein sollten und doch auf lächerlichste Art und Weise ganz besonders hart treffen.
Freunde? Spenden nur kurzfristig trost, bevor alles in doppeltem Maße neuentfacht entgegenpeitscht. Familie? Kann entweder auch nur kurzfristig auffangen oder war niemals da.
Und ich kannte das, was er da erzählte. Und etlichen Leuten hier wird das ebenso bekannt sein. Wir leiden unter dem, was uns jahrelang eingetrichtert wurde: Erfolg um jeden Preis. Bei den Wenigsten fing das nicht schon auf der Schule an. Ich kann mich an meine Stufe als eine Gruppe von Personen erinnern, die einander Pest und Cholera an den Hals wünschte, war jemand auch nur einen Hauch näher an der Bestnote, als sie selbst. Nur die Leistung zählte - was vor allem die Lehrer vermittelten. Doch im Gegensatz zu früheren Generationen, hat sich meine nicht aufgelehnt. Nein, wir haben noch einen oben drauf gesetzt. Wir haben uns schon in der Schule das Leben zur Hölle gemacht - nicht aus Druck der Eltern oder der Schule, sondern von uns selbst heraus - und das nur damit wir etwas besser waren als die anderen. Wo die Generation meiner Eltern gesagt hat: "Wir sind Schüler/Studenten. Das ist der Zeitpunkt für uns zu leben und uns zu verwirklichen, bis wir mehr als 40 Stunden wöchentlich in einem verstaubten Büro hocken" sagen wir: "Wir sind Schüler/Studenten. Wir bringen uns an unsere Leistungsgrenzen, damit wir später mehr als 40 Stunden wöchentlich in einem verstaubten Büro hocken dürfen.".
Die Rebellion, das Bestreben das Mittelmaß zu finden, gelingt unserer Generation nicht mehr. Unsere Eltern waren nicht faul oder schlecht in der Uni. Sie haben nur nicht aus den Augen verloren, dass es noch mehr gibt, als nur die Arbeit. Dass es mehr gibt, als jede Sekunde des Lebens für die Arbeit oder einen zwanghaft sinnvollen Zeitvertreib zu nutzen.
Und das liegt daran, dass auch dieses Land stetig sein Mittelmaß verliert. Zwischen Hartz4-Empfänger und Akademiker scheint es nicht viel zu geben - zumindest wird uns das durch unsere Gesellschaft suggeriert. Also entweder du machst dich zu etwas, oder du wirst erbarmungslos fallen gelassen. Willkommen in der Leistungsgesellschaft. Was als Modell für das Personalwesen etlicher Unternehmen von Think Tanks erdacht wurde, hat sich nun auf unsere gesamte Gesellschaft niedergeschlagen oder ist auf dem besten Weg dazu.
Noch viel schlimmer ist aber doch, wie schamlos damit umgegangen wird. An meinem ersten Tag im Studium wurde ich vom Dekan mit den Worten begrüßt: "60% unter ihnen werden den Abschluss nicht schaffen. 85% davon nicht über 3,0.". Die erste Folie, die mein Kriminologieprofessor in der ersten Vorlesung des ersten Semesters auflegte, war eine Übersicht von Abschlusszahlen meines Studienganges, schön in einem Pie-Chart in Noten eingeteilt, und das dazu durchschnittlich zu erwartende Brutto-Einkommen. Es gab noch ~15 weitere Vorlesungen - ich erinnere mich an keine einzige.
Was mir mein Kommilitone erzählte, leben ich und viele mehr Tag für Tag. Die Angst zu versagen. Die Angst, doch nur wieder durchschnittlich zu sein und daraufhin in der Masse am Existenzminimum zu versinken. Das, was einen allgegenwärtig verfolgt und die daraus folgenden Gefühle: Einsamkeit, Depression, Perspektivlosigkeit - Leere.
Und wir sind nur Opfer unserer selbst, wenn wir uns zu dem haben machen lassen, was wir sind. Nun hat sich diese Sozialisation aber als so erfolgreich entpuppt, dass nichtmal das Wissen um das Schema reicht, um es zu durchbrechen. Obwohl ich unglücklich bin, werde ich mich auch morgen wieder an meine Lehrbücher und Kommentare setzen. Auch morgen werde ich mir dessen bewusst sein. Und auch morgen werden ich, mein Kommilitone und viele andere auch keinen Ausweg finden, als uns dem zu fügen, zu dem wir uns haben verkrüppeln lassen.
tl;dr:
wie findet ihr dieses lied?
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