Preludium:
Um mal wieder ein bisschen Substanz in das in letzter Zeit peinlich grottige OT zu bringen, sei dieser Thread einem jeden Wahrheits- und Sinnsuchendem herzlich empfohlen. Dem Einen oder Anderen dürfte im Topic die Parallele zu dem Werk der Gesellschaftstheorie schlechthin aufgefallen sein. Die Rede ist von Karl Poppers The Open Society and its Enemies. In diesem knapp tausendseitigem Wälzer von 45 räumt Popper mit den ideologischen Statuten Marx, Hegels und Platons auf, die seiner Meinung nach zu totalitären Gesellschaften führen müssen. Im Gegenzug propagiert er das Modell einer von Liberalismus und ständigen (aber nicht radikalen) Reformen geprägten Demokratie, wobei die Freiheit eines jeden Individuums das höchstmögliche Ziel des Staates ist.
In einer solchen offenen Gesellschaft darf es dementsprechend keine Indoktrinierung und Tabuisierung durch den Staat geben. Jeder muss sich nach seiner Natur, seinen Wünschen und Vorstellungen frei entfalten können - und alle Gesetze sind nur dann legitimiert, wenn sie ausschließlich auf die Erhaltung dieser Freiheit abzielen.
Nichts determiniert das Leben, die Persönlichkeit, die Ansichten, Wünsche und Ziele des Menschen mehr, als die jeweilige Gesellschaftsform. Umso wichtiger ist es, sich mit eben dieser auseinander zu setzen und vielleicht kann ja sogar jemand all den ideologischen Ballast loswerden und etwas über sein unverfälschtes Selbst in Erfahrung bringen.
Teil 1: Materialismus und seine Folgen
Ich verstehe diesen Text als ein Addendum zu Poppers Gesellschaftstheorie. Ich werde versuchen in den evtl. folgenden Teilen auf Basis der Psychogenese ein Konzept zu entwerfen, das verständlich machen soll, warum sich Regime, die der Bevölkerung das Recht auf Meinungsfreiheit und Selbstbestimmung im Tausch gegen eine allgemeingültige Heilslehre berauben, immer wieder mit Rückhalt der breiten Masse durchsetzen können. Populäre Beispiele dafür sind das faschistische Deutschland zur Zeit des Nationalsozialismus, die kommunistische Sovjetunion und das heutige Nordkorea. Aber auch die BRD ist wie die gesamte westliche Welt, trotz erheblicher Fortschritte, immernoch weit davon entfernt eine offene Gesellschaft und gegen jeglichen politischen Fanatismus gefeit zu sein. Unsere Gesellschaft basiert so sehr auf dem Kapitalismus, und, entgegen z.Bsp. der amerikanischen Propaganda, so wenig auf Werten wie Unabhängigkeit, kritischer Vernunft und Freiheit, dass jegliche Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage unweigerlich in einer Abkehr vom Liberalismus und zu einer Zunahme von Religiösität, Konservatismus und extremen politischen Ansichten führen muss, egal ob rechts oder links.
Diese gefährliche und höchst destruktive Formbarkeit der Masse resultiert aus, so zumindest meine Theorie, dem Unwillen oder Unvermögen des Individuums sich aktiv mit seinem wahren Selbst zu beschäftigen. Die Allerwenigsten nutzen ihre zugegebenerweise bei jedem unterschiedlich stark ausgeprägten menschlichen Talente und Fähigkeiten, um aus dem Gefängnis der äußeren Umstände zu transzendieren und sich ihrer eigenen schöpferischen Gaben zu bedienen: Das heißt bewusst zu werden, sich zu bilden, Dinge in den richtigen Kontext zu rücken, sich von inneren Zwängen zu befreien, sich selbstständig weiter zu entwickeln und wirklich zu leben.
Grundsätzlich kommt jeder Mensch, abgesehen von einem evolutionär tradiertem Moralkodex, ideologisch völlig nackt auf die Welt, und strebt danach sich entsprechend seiner wahren Persönlichkeit zu entwickeln und zu entfalten. In unserer Gesellschaft ist es aber so, dass nicht die freie Entfaltung, sondern die Anpassung gefördert werden muss, da sich mit aufkommen des Industriezeitalters ein höchst fragwürdiges Ideal herausgebildet hat. Gut ist nicht, was gut für die Menschen, sondern was gut für die Wirtschaft ist. Es gelang sogar den Menschen davon zu überzeugen, dass was gut für die Wirtschaft ist, gleichzeitig auch gut für den Menschen ist. Eigentum, Profit und Macht seien die höchsten Errungenschaften und sollen Glück versprechen. Dumm nur, dass Besitz und Konsum nicht dauerhaft glücklich machen können sondern nur kurzfristig das Gefühl der Sinnlosigkeit und Leere in einem derart erfüllten Leben betäuben können, bevor das Verlangen nach noch mehr und immer mehr wieder einsetzt.
Faktisch wird eine eiskalte Konsumgesellschaft gezüchtet, in der Habgier, Konsumgeilheit, Egoismus und Neid als Motor der Wirtschaft (und angeblich im Einklang mit der menschlichen Natur) gefördert werden: Um das eigene Kapital zu steigern müssen Konkurrenten besiegt, Arbeiter ausgebeutet und Kunden betrogen werden, alles versteckt hinter einer lächelnden Maske der Vernunft und Freundlichkeit, die jeder dazu tragen muss.
Auch in sozialistischen Systemen ist diese indoktrinierte Besitz=Glück Ideologie vorherrschend. Nur, dass aus der gleichen Verteilung der Güter lediglich die Angst vor dem Neid auf denjenigen spricht, der mehr besitzt als ich.
Aber um noch einmal den Gedanken aufzugreifen, dass grundsätzlich jeder Mensch danach strebt, sich gemäß seiner Natur frei zu entfalten: Jegliche Behinderung dieser Entfaltung löst ein Rebellionspotential aus, wie kann sich dennoch eine solche Entfremdung des Menschen durchgesetzt haben, ohne dass dieser etwas davon bemerkt? Die Antwort ist laut E. Fromm ein komplexes und über Jahrhunderte hinweg sorgsam ausgebautes Netz aus physischer und psychischer Gewalt durch Gesellschaft und Familie, die durch Strafe und Belohnung und der Indoktrination der entsprechenden materialistischen Ideologie so effektiv ist, dass die meisten Menschen glauben, ihrem ureigenem Willen zu folgen, ohne sich bewusst zu sein, dass dieser vollständig manipuliert und konditioniert wurde.
Bei den meisten Menschen entsteht keine Ansicht und keine Ideologie aus einer inneren Überzeugung heraus, sondern sie entstehen ausschließlich passiv, d.h. durch Einflüsse von außen. In die innere Leere wird also eine durch den gesellschaftlichen und sozialen Kontext determinierte Lehre projiziert. Die meisten Menschen sind nicht in der Lage eigenständig und unabhängig zu handeln. Allein der Gedanke daran sich von der Gesellschaft zu lösen und metaphorisch gesehen auf eigenen Beinen zu stehen, führt zu einer tiefen Angst und Unsicherheit, als würde man ohne Fallschirm aus einem Flugzeug geworfen werden.
Ein Ansatzpunkt bei der Indoktrinierung ist dabei die Sexualität, der wahrscheinlich stärkste natürliche Trieb des Menschen. Durch die systematische Stigmatisierung von Sexualität, vor allem durch die Kirche, (Verbot von Verhütungsmitteln, Masturbation macht blind, Sex ist unmoralisch, etc.) wird das natürliche Entfaltungspotential des Menschen gehemmt und umgeleitet. Bei vielen primitiven Naturvölkern, die keinerlei Diffamierung der Sexualität kennen, ließ sich ebenfalls beobachten, dass diese keinerlei materiellen Zwängen unterlagen und somit auch keinen Grund hatten, die Sexualität zu verdammen.
Kinder, bei denen der natürliche Entfaltungstrieb besonders stark ausgeprägt ist, äußern ihre Rebellion oft durch Aggressivität, Essstörungen und selbstzerstörerisches Verhalten. Laut Freud werden Kinder, die während der analen Phase in ihrer Entwicklung gestört werden (zum Beispiel von Eltern mit überzogenen Reinheitsvorstellungen) zu analen Charakteren, zu besonders pedantischen Sparern und besitzorientierten Menschen, was Freud zu der Auffassung verführte, die ich mit ihm teile, dass diese zwanghaft materialistisch denkenden Menschen niemals das Stadium der Reife erreicht haben und psychisch krank und neurotisch sind was in gleichem Maße auch auf unsere Gesellschaft zutrifft.
In der Mythologie, die für das geschulte Auge soetwas wie das kollektive Unterbewusstsein der Menschheit ist, lassen sich für die Figur des Helden eigentlich immer die gleichen Muster feststellen:
Der Held hat den Mut sich wie Buddha bei den Buddhisten, Moses und Abraham bei den Juden, oder wie Jesus bei den Christen von der herrschenden Doktrin zu lösen, die vermeintliche Sicherheit des Materialismus zu verlassen, und sich, soziale Kontexte und Besitz hinter sich lassend, dem eigentlichen Leben und ihrer wahrhaftigen Natur zu stellen.
Wobei mir nichts ferner liegt als einen Asketizismus zu propagieren, denn auch dieser ist schließlich nichts anderes als ein Leben entlang des Materialismus, nur eben in seiner Negation. So ähnlich wie der ein oder andere Mensch den Zwang verspürt ein nach außen hin extrem tugendhaftes Leben z.Bsp. als Priester zu führen, weil sich gleichzeitig die tiefsten seelischen Abgründe auftun, die dann zur Schändung von kleinen Jungs führen, kompensiert auch der Asket nur eine unnatürliche Bindung an den Besitz durch eine überzogene Abwendung von eben diesem.
Der durchschnittliche Mensch ist darauf konditioniert sein Selbstwertgefühl aus Besitz abzuleiten, nach dem Motto haste was, biste was. Wobei es egal ist, ob dieser Besitz materiell ist oder nicht Menschen besitzen Gesundheit, Familie, einen Partner, bestimmte Rituale uvm. und leben in der vermeintlichen Sicherheit, die ihnen dieser Besitz bietet. Diese Sicherheit ist jedoch höchst trügerisch, denn nichts davon ist permanent und kann jederzeit genommen werden und wehe dem, der verliert was er hatte: Denn mit dem Besitz schwindet auch das Selbstwertgefühl und lässt nur eine gebrochene Hülle zurück, das Zeugnis einer absolut falschen Lebensweise.
Die einzige logische und rationale Konsequenz, die zugegebenermaßen einigen Mut erfordert, ist aufhören zu sein was man hat und damit zu beginnen zu sein, was man ist.
Damit möchte ich dann auch allen gratulieren, die sich durch diesen wall of text gekämpft haben. Teil 2 folgt je nach Resonanz, das letzte Wort überlasse ich Sir Karl Raimund Popper:
Um mal wieder ein bisschen Substanz in das in letzter Zeit peinlich grottige OT zu bringen, sei dieser Thread einem jeden Wahrheits- und Sinnsuchendem herzlich empfohlen. Dem Einen oder Anderen dürfte im Topic die Parallele zu dem Werk der Gesellschaftstheorie schlechthin aufgefallen sein. Die Rede ist von Karl Poppers The Open Society and its Enemies. In diesem knapp tausendseitigem Wälzer von 45 räumt Popper mit den ideologischen Statuten Marx, Hegels und Platons auf, die seiner Meinung nach zu totalitären Gesellschaften führen müssen. Im Gegenzug propagiert er das Modell einer von Liberalismus und ständigen (aber nicht radikalen) Reformen geprägten Demokratie, wobei die Freiheit eines jeden Individuums das höchstmögliche Ziel des Staates ist.
In einer solchen offenen Gesellschaft darf es dementsprechend keine Indoktrinierung und Tabuisierung durch den Staat geben. Jeder muss sich nach seiner Natur, seinen Wünschen und Vorstellungen frei entfalten können - und alle Gesetze sind nur dann legitimiert, wenn sie ausschließlich auf die Erhaltung dieser Freiheit abzielen.
Nichts determiniert das Leben, die Persönlichkeit, die Ansichten, Wünsche und Ziele des Menschen mehr, als die jeweilige Gesellschaftsform. Umso wichtiger ist es, sich mit eben dieser auseinander zu setzen und vielleicht kann ja sogar jemand all den ideologischen Ballast loswerden und etwas über sein unverfälschtes Selbst in Erfahrung bringen.
Teil 1: Materialismus und seine Folgen
Ich verstehe diesen Text als ein Addendum zu Poppers Gesellschaftstheorie. Ich werde versuchen in den evtl. folgenden Teilen auf Basis der Psychogenese ein Konzept zu entwerfen, das verständlich machen soll, warum sich Regime, die der Bevölkerung das Recht auf Meinungsfreiheit und Selbstbestimmung im Tausch gegen eine allgemeingültige Heilslehre berauben, immer wieder mit Rückhalt der breiten Masse durchsetzen können. Populäre Beispiele dafür sind das faschistische Deutschland zur Zeit des Nationalsozialismus, die kommunistische Sovjetunion und das heutige Nordkorea. Aber auch die BRD ist wie die gesamte westliche Welt, trotz erheblicher Fortschritte, immernoch weit davon entfernt eine offene Gesellschaft und gegen jeglichen politischen Fanatismus gefeit zu sein. Unsere Gesellschaft basiert so sehr auf dem Kapitalismus, und, entgegen z.Bsp. der amerikanischen Propaganda, so wenig auf Werten wie Unabhängigkeit, kritischer Vernunft und Freiheit, dass jegliche Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage unweigerlich in einer Abkehr vom Liberalismus und zu einer Zunahme von Religiösität, Konservatismus und extremen politischen Ansichten führen muss, egal ob rechts oder links.
Diese gefährliche und höchst destruktive Formbarkeit der Masse resultiert aus, so zumindest meine Theorie, dem Unwillen oder Unvermögen des Individuums sich aktiv mit seinem wahren Selbst zu beschäftigen. Die Allerwenigsten nutzen ihre zugegebenerweise bei jedem unterschiedlich stark ausgeprägten menschlichen Talente und Fähigkeiten, um aus dem Gefängnis der äußeren Umstände zu transzendieren und sich ihrer eigenen schöpferischen Gaben zu bedienen: Das heißt bewusst zu werden, sich zu bilden, Dinge in den richtigen Kontext zu rücken, sich von inneren Zwängen zu befreien, sich selbstständig weiter zu entwickeln und wirklich zu leben.
Grundsätzlich kommt jeder Mensch, abgesehen von einem evolutionär tradiertem Moralkodex, ideologisch völlig nackt auf die Welt, und strebt danach sich entsprechend seiner wahren Persönlichkeit zu entwickeln und zu entfalten. In unserer Gesellschaft ist es aber so, dass nicht die freie Entfaltung, sondern die Anpassung gefördert werden muss, da sich mit aufkommen des Industriezeitalters ein höchst fragwürdiges Ideal herausgebildet hat. Gut ist nicht, was gut für die Menschen, sondern was gut für die Wirtschaft ist. Es gelang sogar den Menschen davon zu überzeugen, dass was gut für die Wirtschaft ist, gleichzeitig auch gut für den Menschen ist. Eigentum, Profit und Macht seien die höchsten Errungenschaften und sollen Glück versprechen. Dumm nur, dass Besitz und Konsum nicht dauerhaft glücklich machen können sondern nur kurzfristig das Gefühl der Sinnlosigkeit und Leere in einem derart erfüllten Leben betäuben können, bevor das Verlangen nach noch mehr und immer mehr wieder einsetzt.
Faktisch wird eine eiskalte Konsumgesellschaft gezüchtet, in der Habgier, Konsumgeilheit, Egoismus und Neid als Motor der Wirtschaft (und angeblich im Einklang mit der menschlichen Natur) gefördert werden: Um das eigene Kapital zu steigern müssen Konkurrenten besiegt, Arbeiter ausgebeutet und Kunden betrogen werden, alles versteckt hinter einer lächelnden Maske der Vernunft und Freundlichkeit, die jeder dazu tragen muss.
Spoiler:
Auch in sozialistischen Systemen ist diese indoktrinierte Besitz=Glück Ideologie vorherrschend. Nur, dass aus der gleichen Verteilung der Güter lediglich die Angst vor dem Neid auf denjenigen spricht, der mehr besitzt als ich.
Aber um noch einmal den Gedanken aufzugreifen, dass grundsätzlich jeder Mensch danach strebt, sich gemäß seiner Natur frei zu entfalten: Jegliche Behinderung dieser Entfaltung löst ein Rebellionspotential aus, wie kann sich dennoch eine solche Entfremdung des Menschen durchgesetzt haben, ohne dass dieser etwas davon bemerkt? Die Antwort ist laut E. Fromm ein komplexes und über Jahrhunderte hinweg sorgsam ausgebautes Netz aus physischer und psychischer Gewalt durch Gesellschaft und Familie, die durch Strafe und Belohnung und der Indoktrination der entsprechenden materialistischen Ideologie so effektiv ist, dass die meisten Menschen glauben, ihrem ureigenem Willen zu folgen, ohne sich bewusst zu sein, dass dieser vollständig manipuliert und konditioniert wurde.
Bei den meisten Menschen entsteht keine Ansicht und keine Ideologie aus einer inneren Überzeugung heraus, sondern sie entstehen ausschließlich passiv, d.h. durch Einflüsse von außen. In die innere Leere wird also eine durch den gesellschaftlichen und sozialen Kontext determinierte Lehre projiziert. Die meisten Menschen sind nicht in der Lage eigenständig und unabhängig zu handeln. Allein der Gedanke daran sich von der Gesellschaft zu lösen und metaphorisch gesehen auf eigenen Beinen zu stehen, führt zu einer tiefen Angst und Unsicherheit, als würde man ohne Fallschirm aus einem Flugzeug geworfen werden.
Ein Ansatzpunkt bei der Indoktrinierung ist dabei die Sexualität, der wahrscheinlich stärkste natürliche Trieb des Menschen. Durch die systematische Stigmatisierung von Sexualität, vor allem durch die Kirche, (Verbot von Verhütungsmitteln, Masturbation macht blind, Sex ist unmoralisch, etc.) wird das natürliche Entfaltungspotential des Menschen gehemmt und umgeleitet. Bei vielen primitiven Naturvölkern, die keinerlei Diffamierung der Sexualität kennen, ließ sich ebenfalls beobachten, dass diese keinerlei materiellen Zwängen unterlagen und somit auch keinen Grund hatten, die Sexualität zu verdammen.
Kinder, bei denen der natürliche Entfaltungstrieb besonders stark ausgeprägt ist, äußern ihre Rebellion oft durch Aggressivität, Essstörungen und selbstzerstörerisches Verhalten. Laut Freud werden Kinder, die während der analen Phase in ihrer Entwicklung gestört werden (zum Beispiel von Eltern mit überzogenen Reinheitsvorstellungen) zu analen Charakteren, zu besonders pedantischen Sparern und besitzorientierten Menschen, was Freud zu der Auffassung verführte, die ich mit ihm teile, dass diese zwanghaft materialistisch denkenden Menschen niemals das Stadium der Reife erreicht haben und psychisch krank und neurotisch sind was in gleichem Maße auch auf unsere Gesellschaft zutrifft.
In der Mythologie, die für das geschulte Auge soetwas wie das kollektive Unterbewusstsein der Menschheit ist, lassen sich für die Figur des Helden eigentlich immer die gleichen Muster feststellen:
Der Held hat den Mut sich wie Buddha bei den Buddhisten, Moses und Abraham bei den Juden, oder wie Jesus bei den Christen von der herrschenden Doktrin zu lösen, die vermeintliche Sicherheit des Materialismus zu verlassen, und sich, soziale Kontexte und Besitz hinter sich lassend, dem eigentlichen Leben und ihrer wahrhaftigen Natur zu stellen.
Wobei mir nichts ferner liegt als einen Asketizismus zu propagieren, denn auch dieser ist schließlich nichts anderes als ein Leben entlang des Materialismus, nur eben in seiner Negation. So ähnlich wie der ein oder andere Mensch den Zwang verspürt ein nach außen hin extrem tugendhaftes Leben z.Bsp. als Priester zu führen, weil sich gleichzeitig die tiefsten seelischen Abgründe auftun, die dann zur Schändung von kleinen Jungs führen, kompensiert auch der Asket nur eine unnatürliche Bindung an den Besitz durch eine überzogene Abwendung von eben diesem.
Der durchschnittliche Mensch ist darauf konditioniert sein Selbstwertgefühl aus Besitz abzuleiten, nach dem Motto haste was, biste was. Wobei es egal ist, ob dieser Besitz materiell ist oder nicht Menschen besitzen Gesundheit, Familie, einen Partner, bestimmte Rituale uvm. und leben in der vermeintlichen Sicherheit, die ihnen dieser Besitz bietet. Diese Sicherheit ist jedoch höchst trügerisch, denn nichts davon ist permanent und kann jederzeit genommen werden und wehe dem, der verliert was er hatte: Denn mit dem Besitz schwindet auch das Selbstwertgefühl und lässt nur eine gebrochene Hülle zurück, das Zeugnis einer absolut falschen Lebensweise.
Die einzige logische und rationale Konsequenz, die zugegebenermaßen einigen Mut erfordert, ist aufhören zu sein was man hat und damit zu beginnen zu sein, was man ist.
Damit möchte ich dann auch allen gratulieren, die sich durch diesen wall of text gekämpft haben. Teil 2 folgt je nach Resonanz, das letzte Wort überlasse ich Sir Karl Raimund Popper:
When I speak of reason or rationalism, all I mean is the conviction that we can learn through criticism of our mistakes and errors, especially through criticism by others, and eventually also through self-criticism. A rationalist is simply someone for whom it is more important to learn than to be proved right; someone who is willing to learn from others not by simply taking over another's opinions, but by gladly allowing others to criticize his ideas and by gladly criticizing the ideas of others. The emphasis here is on the idea of criticism or, to be more precise, critical discussion. The genuine rationalist does not think that he or anyone else is in possession of the truth; nor does he think that mere criticism as such helps us achieve new ideas. But he does think that, in the sphere of ideas, only critical discussion can help us sort the wheat from the chaff. He is well aware that acceptance or rejection of an idea is never a purely rational matter; but he thinks that only critical discussion can give us the maturity to see an idea from more and more sides and to make a correct judgement of it.
Kommentar