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Der Tod

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    #76
    Was hilfft die gantze Welt / Mensch! deine Stunde schlägt!
    Zwar eh’ als du vermeynt! doch wer muß nicht erbleichen?
    Nun wird die Schönheit rauch; nun muß die Tugend weichen /
    Nun ist dein Adel Dunst / die Stärcke wird bewegt!

    Hir fällt auff eine Baar der Hutt und Krone trägt
    Hir feilt die grosse Kunst / kein Tagus schützt die Reichen.
    Man siht kein Alter an / die gantz verstellte Leichen
    (O Freunde! gutte Nacht!) wird in den Staub gelegt

    Du scheidest! gantz allein! von hir! wohin! so schnelle!
    Diß ist des Himmels Bahn! die öffnet dir die Helle!
    Nach dem der strenge Printz sein ernstes Vrtheil hegt.

    Nichts bringst du auff die Welt / nichts kanst du mit bekommen:
    Der einig’ Augenblick hat / was man hat / genommen.
    Doch zeucht dein Werck dir nach. Mensch! deine Stunde schlägt.


    Andreas Gryphius


    ____
    Ich habe auch manchmal das von dir beschriebene Gefühl, so eine Leere zu spüren, wenn ich über das "Ende" nachdenke. Vor allem aber hab ich Angst davor, im Alter zu merken, dass es bald zuende ist und nicht zu wissen was einen erwartet. In der Jugend kann man sich ja noch sagen "Ich bin ja noch jung, ich hab noch Zeit", aber im Alter kannste der Frage eig. nit mehr ausweichen.

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      #77
      Weil das obere Gedicht so düster ist, gibts noch ein fröhlicheres ;)

      Der Tod (das von gryphius heißt btw auch "Der Todt")

      Gestern, Brüder, könnt ihrs glauben?
      Gestern bei dem Saft der Trauben,
      (Bildet euch mein Schrecken ein!)
      Kam der Tod zu mir herein.

      Drohend schwang er seine Hippe,
      Drohend sprach das Furchtgerippe:
      Fort, du teurer Bacchusknecht!
      Fort, du hast genug gezecht!

      Lieber Tod, sprach ich mit Tränen,
      Solltest du nach mir dich sehnen?
      Sieh, da stehet Wein für dich!
      Lieber Tod verschone mich!

      Lächelnd greift er nach dem Glase;
      Lächelnd macht ers auf der Base,
      Auf der Pest, Gesundheit leer;
      Lächelnd setzt ers wieder her.

      Fröhlich glaub ich mich befreiet,
      Als er schnell sein Drohn erneuet.
      Narre, für dein Gläschen Wein
      Denkst du, spricht er, los zu sein?

      Tod, bat ich, ich möcht auf Erden
      Gern ein Mediziner werden.
      Laß mich: ich verspreche dir
      Meine Kranken halb dafür.

      Gut, wenn das ist, magst du leben:
      Ruft er. Nur sei mir ergeben.
      Lebe, bis du satt geküßt,
      Und des Trinkens müde bist.

      Oh! wie schön klingt dies den Ohren!
      Tod, du hast mich neu geboren.
      Dieses Glas voll Rebensaft,
      Tod, auf gute Brüderschaft!

      Ewig muß ich also leben,
      Ewig! denn beim Gott der Reben!
      Ewig soll mich Lieb und Wein,
      Ewig Wein und Lieb erfreun!

      von G.E. Lessing

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        #78
        Irgendwie schön finde ich auch die Ansicht, dass man solange wiedergeboren wird bis man alle Lektionen gelernt hat :)
        Dann bin ich bald durch ;)

        Kommentar


          #79
          das, was (in meinem fall) 24 jahre zuvor auch war - nichts. dieses gefühl habe ich auch gelegentlich; allerdings lässt sich das ohne weiteres für ein paar wochen oder monate verdrängen. im grunde ist man nicht einmal ein punkt auf dem zahlenstrahl der zeit: die erde besteht seit ~4,5 milliarden jahren, diese wird, in relation zum alter der erde, seit ein paar jahren vom menschen bewohnt. das individuum selbst kommt dabei im schnitt auf 75 jahre, wenn überhaupt. unser stellenwert in der natur ist wohl dementsprechend gering - wir sind auch nicht mehr wert als ein hund, auch wenn wir das glauben. ich spreche hier natürlich aus der sicht der natur, gesellschaftlich sieht das natürlich anders aus.

          geht man davon aus, dass doch etwas passiert: was hat man als person davon, die sich unregelmäßig darüber gedanken macht, wenn keinerlei erinnerungen bestehen bleiben? man ist dann sprichwörtlich ein anderes etwas, was mit dem menschen nichts mehr zu tun hat; und das im hinblick auf jede erdenkliche möglichkeit des seins.

          dieses geschwafel vom paradies bringt einen auch zur weißglut, wo sind wir denn dann?

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            #80
            IloveUuuw postete
            Irgendwie schön finde ich auch die Ansicht, dass man solange wiedergeboren wird bis man alle Lektionen gelernt hat :)
            Dann bin ich bald durch ;)
            für "hochmut" kannst du allein 400-500 leben rechnen

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              #81
              Hey, Baby -.^ postete
              Andere Frage: Habt ihr Angst vorm Tod ?
              kommt drauf an was hinter her kommt :D
              also vor dem schmerzlichen Moment (wenns denn kein schöner Tod im Schlaf wird) dann schon ... naja kommt drauf an für was ... meine Holde Frau vorm Tod retten geht noch klar aber hab bei 4chan zuviele Autounfall.gifs gesehen ... davor auf jeden Oo. Der eine mitm Mofa unterwegs von hinten kommt LKW und zerqutescht "es" in irgendeine Masse, einfach so innerhalb von 2 Sekunden ohne ankündigung.

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                #82
                turb0_booya postete
                einfach so innerhalb von 2 Sekunden ohne ankündigung.
                Jo denk ich (und wohl sonst auch jeder) ebenfalls. Je schneller, desto besser. Aber eigentlich...ist es total wurscht, wenns länger geht. Im nachhinein is es sowieso egal, weils kein nachher gibt...es is nur in dem Augenblick ein bisschen...scheiße.

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                  #83
                  Raven postete
                  deine seele wird wiedergeboren

                  Kommentar


                    #84
                    Sehr interessanter Thread! Mag ich. Ich würd jetz viel schreiben, hab mir auch viele Gedanken dazu gemacht, aber grad net Lust n Roman zu verfassen, aber ein Gedankenanstoß (Hab den Fred noch net ganz gelesen nur Seite 1) :

                    Was unterscheidet den Zustand, nachdem ich gestorben bin, von dem Zustand, bevor ich geboren/gezeugt wurde?
                    Hat man gelitten vor der Geburt/hatte Schmerzen? Oder eine Himmel- oder Höllenerfahrung gemacht? (ich bin nicht gläubig, ich nenn das nur als Beispiel grad so)

                    Nun das eröffnet viele Gedankengänge, finde ich.
                    Entweder war vorher nichts, so wie danach nichts sein wird.

                    Oder es war vorher was, aber man weiss es nicht mehr, so wie diese Buddhistische Idee der Wiedergeburt von Seite 1(falls ich richtig gerafft hab). Und im nächsten Leben wird man es auch nicht mehr wissen.

                    Naja, grob gesagt glaube ich mittlerweile, das Sterben nichts Schlimmes ist. Mit gutem Vorstellungsvermögen kann man sich auch bis zur Panik in eine Angst vor dem Tod hineinsteigern.
                    Falsch, Sterben kann grausam sein, aber tot sein, da kann ich mir vorstellen, dass es nicht so schlimm ist.

                    Weil ich glaube, dass man irgendwie ein Bewusstsein einnimmt von all den Körpern, die gezeugt werden und leben beinhalten werden. Das ist für mich wie Blubberblasen beim Mineralwasser. Sobald die Blase entsteht, ist Luft drin. Und dann platzt sie, und die nächste Blase die entsteht beinhaltet etwas von derselben Luft, vielleicht nicht genau dieselbe Luft, nicht dieselben Moleküle, aber ein paar davon. Mal mehr, mal weniger. (Um auch mal was Spirituelles Vages vom Tisch zu lassen ^^)

                    Vielleicht nimmt man auch ein Bewusstsein eines Tieres an, keine Ahnung. Naja, vielleicht ist es auch völlig anders, wenn man grade nicht lebt.
                    Aber es ist auf jeden Fall faszinierend was alles sein könnte, und ich glaube nicht, dass es was Schlimmes ist.

                    Naja, da sich oft Strukturen im Mikrokosmos und Makrokosmos wiederholen wäre vorteilhaft zu wissen, was mit dem Universum passieren wird (für mich wäre das wichtig). Wirds ewig expandieren und den Kältetod sterben oder wird es am Ende kollabieren können und halt zu einem eventuellen Wiederneuentstehen des Universums führen.

                    Da gibt es ja konkurrierende Theorien, wo nicht geklärt ist, welche eintreten wird.

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                      #85
                      Einige sollten ihre Wunschvorstellungen über den Tod einmal überdenken. Beim Tod ist schluss, da endet eure Existenz.

                      Ich frag mich nur, was daran schlimm ist? Zu wissen, dass etwas begrenzt ist, macht es doch deutlich wertvoller? Für mich zumindest.

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                        #86
                        IloveUuuw postete
                        Irgendwie schön finde ich auch die Ansicht, dass man solange wiedergeboren wird bis man alle Lektionen gelernt hat :)
                        Dann bin ich bald durch ;)
                        wie soll das gehn wenn man immerwieder bei 0 anfängt ? o0

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                          #87
                          Tyler Durden postete
                          IloveUuuw postete
                          Irgendwie schön finde ich auch die Ansicht, dass man solange wiedergeboren wird bis man alle Lektionen gelernt hat :)
                          Dann bin ich bald durch ;)
                          wie soll das gehn wenn man immerwieder bei 0 anfängt ? o0
                          Das ist ja nur ein Gedankenspiel... Man hat in jedem Leben eine andere Problematik, mit der man fertig werden muss. Schafft man das nicht, bleibt man solange daran hängen bis man es eben geschafft hat. Natürlich nimmt man kein Vorwissen von früheren Leben mit.

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                            #88
                            wenn einfach "nichts" mehr wäre wär schon derbe scheiße.

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                              #89
                              jetzt zu der frage angst vor dem tod :

                              ich glaube selber hätte ich keine richtige angst vor dem tod , eher hätte ich angst meine freunde/verwandten zu verlieren

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                                #90
                                Nayze postete
                                wenn einfach "nichts" mehr wäre wär schon derbe scheiße.
                                Witzvogel, in dem Moment, in dem nichts mehr ist, ist auch kein Bewusstsein mehr, dass es scheiße finden kann. =D

                                Das Thema Tod wurde von Begnadeten schon in vorchristlicher Zeit hinreichend vernünftig beleuchtet: "Gewöhne dich an den Gedanken, daß der Tod uns nichts angeht. Denn alles Gute und Schlimme beruht auf der Wahrnehmung. Der Tod aber ist der Verlust der Wahrnehmung. Darum macht die rechte Einsicht, daß der Tod uns nichts angeht, die Sterblichkeit des Lebens genußreich, indem sie uns nicht eine unbegrenzte Zeit dazugibt, sondern die Sehnsucht nach der Unsterblichkeit wegnimmt."
                                nya, Standardbeispiel eben ... aus dem 'Brief an Menoikeus' von Epikur ; )

                                Bewusstsein = Hirnaktivität
                                Tod = Hirnaktivität Ende
                                Tod = Bewusstsein Ende
                                q.e.d. =P

                                Kommentar

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