Ich lese hier viel zu oft Meinungen im Stile von "Glaube ist was für Leute, die das wollen, aber ich halte mich lieber an Fakten". Ich denke, dass diese Leute es allerdings noch nie gewagt haben, mal zu überprüfen, ob sie wirklich Fakten als Grundlage für ihre Argumentation nutzen, oder ob sie nicht doch einfach nur glauben auf einer anderen Ebene. Denn eigentlich ist es doch letzteres, was sie tun.
Diesen Leuten möchte ich mal nahelegen, den Gedankenweg von Descartes nachzumachen, den er Anfang des 17. Jhd. eingeschlagen hat. Wer den nicht kennt, keine Angst. Das ist kein religiöser Bekehrungsquatsch (Descartes war Mathematiker), sondern im Prinzip die Grundlage der modernen Wissenschaft.
Descartes ist hergegangen und hat versucht, so lange an allem zu zweifeln, was er kannte und sich denken konnte, bis er etwas gefunden hatte, an dessen Existenz er nicht zweifeln konnte.
Eine der ersten Dinge, die er durch reine Logik als Fakt komplett ausschließen konnte, war die Existenz dessen, was er mit seinen Sinnesorganen wahrnehmen konnte. Er, und generell niemand, konnte beweisen, dass z.B. ein Vogel, ein Tisch, ein Haus, ein Baum oder sonst etwas tatsächlich existiert. Jemand könnte ihm den Gesang nur vortäuschen, nur den Eindruck vermitteln, dass er den Baum sieht oder den Tisch anfasst. Oder es weh tut, ins Feuer zu fassen. Auch kann niemand beweisen, dass er tatsächlich Trauer empfindet, oder Freude.
Moderner könnte man sagen: Du kannst nicht beweisen, dass die Matrix nicht existiert. Du kannst nicht beweisen, dass wir nicht doch in der Matrix leben. Generell kannst du die Existenz von gar nichts beweisen, außer von dir selbst (denn irgendwer muss ja zweifeln) und du kannst außerdem sagen, dass du über logisches Denkvermögen verfügst (allerdings kannst du schon nicht mehr beweisen, dass Logik selbst richtig ist!), zweifeln kannst, über Sinne verfügst, die eventuelle Täuschungen wie das, was du "siehst" etc. aufnehmen können und über etwas, das diese Sinne koordiniert und wahrnimmt. Zudem ist sicher, dass es irgend etwas gibt, das du wahrnimmst. Mehr aber auch nicht. Oder fällt euch noch was ein, was wirklich hundertprozentig sicher ist? Mir jedenfalls nicht.
Dieser Prozess zeigt eines ganz klar: Die wahrgenommene Realität (mitsamt ihren Naturgesetzen, Gegenständen usw.) ist nicht beweisbar. Ein Fakt aber muss beweisbar sein. Wenn du nun etwas nicht beweisen kannst, dann hast du genau drei Möglichkeiten: Du glaubst dran, du glaubst nicht dran oder du ignorierst es.
Nun ist es schwer, die Realität zu ignorieren. Egal, ob du dich wirklich verbrennst oder ob das ganze ein Computersignal ist oder was auch immer: Du, dein "Ich", wird Schmerzen fühlen. Dein Ich wird Musik wahrnehmen, Luft atmen, auf einem Stuhl sitzen und gerade meinen Post lesen. Oder sonst irgendwas machen. Anders gesagt, es wird sich seine Realität konstruieren. Wie es diese Realität nun konstruiert, ist dabei völlig ihm selbst überlassen. Und generell gilt: Jede Konstruktion ist wahrscheinlich falsch! Denn die Wahrscheinlichkeit, die wirklich exakte Konstruktion der Realität zu schaffen, wird wohl äußerst gering sein, denn es gibt zu viele Möglichkeiten, die Konstruktion zu erschaffen. (Analogie zum Verständnis: Es ist wohl nahezu unmöglich, dass die Bildschirmdiagonale eines 17 Zoll-Monitors wirklich 17 Zoll lang ist, sonder wahrscheinlich eher 16,9999999234573465723465 oder 17,00000000013451345786134756147856 oder 16,99999999999999999999991513454545, oder Zoll lang ist. Genau 17 Zoll ist fast unmöglich zu treffen. Genauso ist es extrem unwahrscheinlich, dass jemand die echte Realität, also die Wahrheit, perfekt nachkonstruiert).
Die meisten Menschen vertrauen vollkommen darauf, dass ihre Sinne ihnen die Realität ausreichend exakt darstellen. Sie sehen keinen Grund darin, daran zu zweifeln, dass die Realität, wie sie sie wahrnehmen, nicht auch die tatsächliche Realität ist (und eben nicht die Matrix) und selbst wenn sie es nicht ist, ist ihnen das egal. Denn egal ob real oder nicht, ins Feuer zu fassen tut weh. Ein von ihnen wahrgenommener Stein schert sich nicht darum, ob er real ist oder nicht, er fällt wenn man ihn eine Schlucht runterschmeißt und man kann auch berechnen, wie schnell er das tut.
Dabei machen sie sich die Methode zu eigen, die auch die Wissenschaft anwendet: Sie nehmen Dinge als wahr an (zum Beispiel die Existenz eines Steines, seines Falles, seiner Geschwindigkeit(-szunahme), der Schlucht etc pp) und gehen von diesen Annahmen aus dann mit Logik an die Sache heran.
Das generelle Prinzip, das dahinter steckt, ist ebenfalls das der Wissenschaft (womit ich nicht sagen will, dass Menschen wie Wissenschaftler denken. Nein, Wissenschaftler denken wie Menschen!): Komplexitätsreduktion. Es ist nicht zwingend notwendig, die Annahme zu machen, der Stein sei nicht real, wenn ich einfach nur wissen will, wie schnell er fällt, also mache ich sie auch nicht. Und genauso wenig muss ich an Gott glauben, wenn's ohne den Glauben genauso gut funktioniert. Sie glauben auch nicht daran, in der Matrix zu leben, denn selbst wenn es so wäre, was würde es ändern? Ich kann es nicht beweisen, also ist es einfacher, es nicht zu glauben, denn es ändert nichts an dem, was ich letztlich wahrnehme.
Das ist übrigens auch er Grund, warum Gott quasi nie in der Wissenschaft vorkommt, denn meistens reichen Erklärungsmodelle ohne Gott aus, um die Erklärung für das, was man erklären will (das sog. "Explanandum") zu liefern. Gott wäre dann nur eine zusätzliche Variable, die das ganze komplexer machen würde, was eben keinen Sinn in Bezug auf die Erklärung machen würde. Warum muss ich eine extrem komplizierte Theorie um einen Gott erschaffen um zu erklären dass Steine fallen, wenn ich auch die im Vergleich dazu einfache Theorie der Gravitation nutzen kann? Ist doch nur unnötig kompliziert, und sie kann genauso wahr oder falsch sein wie die Annahme der Existenz eines Gottes.
Es ist also aus menschlicher Sicht gesehen vollkommen vernünftig anzunehmen, man würde die Wahrheit auch so wahrnehmen (Das mach ich selbst auch ;P). Dem ist aber nicht so, und wenn, dann ist das ein gigantischer, fast unmöglicher Zufall. Insofern argumentiert wohl absolut niemand mit wirklich wahren Fakten, sondern immer nur mit Tatsachen, die aus seiner Realitätskonstruktion entstehen. Diese können realitätsnah sein, aber sie treffen die Realität eben quasi nie wirklich.
Zusammenfassend in einem Satz: Es ist sehr einfach, sehr praktisch und sehr bequem (und keinesfalls verwerflich!), seine eigene Realitätskonstruktion als Wahrheit hinzunehmen, deswegen muss sie aber noch lange nicht der Wahrheit und somit den Fakten entsprechen!
Diesen Leuten möchte ich mal nahelegen, den Gedankenweg von Descartes nachzumachen, den er Anfang des 17. Jhd. eingeschlagen hat. Wer den nicht kennt, keine Angst. Das ist kein religiöser Bekehrungsquatsch (Descartes war Mathematiker), sondern im Prinzip die Grundlage der modernen Wissenschaft.
Descartes ist hergegangen und hat versucht, so lange an allem zu zweifeln, was er kannte und sich denken konnte, bis er etwas gefunden hatte, an dessen Existenz er nicht zweifeln konnte.
Eine der ersten Dinge, die er durch reine Logik als Fakt komplett ausschließen konnte, war die Existenz dessen, was er mit seinen Sinnesorganen wahrnehmen konnte. Er, und generell niemand, konnte beweisen, dass z.B. ein Vogel, ein Tisch, ein Haus, ein Baum oder sonst etwas tatsächlich existiert. Jemand könnte ihm den Gesang nur vortäuschen, nur den Eindruck vermitteln, dass er den Baum sieht oder den Tisch anfasst. Oder es weh tut, ins Feuer zu fassen. Auch kann niemand beweisen, dass er tatsächlich Trauer empfindet, oder Freude.
Moderner könnte man sagen: Du kannst nicht beweisen, dass die Matrix nicht existiert. Du kannst nicht beweisen, dass wir nicht doch in der Matrix leben. Generell kannst du die Existenz von gar nichts beweisen, außer von dir selbst (denn irgendwer muss ja zweifeln) und du kannst außerdem sagen, dass du über logisches Denkvermögen verfügst (allerdings kannst du schon nicht mehr beweisen, dass Logik selbst richtig ist!), zweifeln kannst, über Sinne verfügst, die eventuelle Täuschungen wie das, was du "siehst" etc. aufnehmen können und über etwas, das diese Sinne koordiniert und wahrnimmt. Zudem ist sicher, dass es irgend etwas gibt, das du wahrnimmst. Mehr aber auch nicht. Oder fällt euch noch was ein, was wirklich hundertprozentig sicher ist? Mir jedenfalls nicht.
Dieser Prozess zeigt eines ganz klar: Die wahrgenommene Realität (mitsamt ihren Naturgesetzen, Gegenständen usw.) ist nicht beweisbar. Ein Fakt aber muss beweisbar sein. Wenn du nun etwas nicht beweisen kannst, dann hast du genau drei Möglichkeiten: Du glaubst dran, du glaubst nicht dran oder du ignorierst es.
Nun ist es schwer, die Realität zu ignorieren. Egal, ob du dich wirklich verbrennst oder ob das ganze ein Computersignal ist oder was auch immer: Du, dein "Ich", wird Schmerzen fühlen. Dein Ich wird Musik wahrnehmen, Luft atmen, auf einem Stuhl sitzen und gerade meinen Post lesen. Oder sonst irgendwas machen. Anders gesagt, es wird sich seine Realität konstruieren. Wie es diese Realität nun konstruiert, ist dabei völlig ihm selbst überlassen. Und generell gilt: Jede Konstruktion ist wahrscheinlich falsch! Denn die Wahrscheinlichkeit, die wirklich exakte Konstruktion der Realität zu schaffen, wird wohl äußerst gering sein, denn es gibt zu viele Möglichkeiten, die Konstruktion zu erschaffen. (Analogie zum Verständnis: Es ist wohl nahezu unmöglich, dass die Bildschirmdiagonale eines 17 Zoll-Monitors wirklich 17 Zoll lang ist, sonder wahrscheinlich eher 16,9999999234573465723465 oder 17,00000000013451345786134756147856 oder 16,99999999999999999999991513454545, oder Zoll lang ist. Genau 17 Zoll ist fast unmöglich zu treffen. Genauso ist es extrem unwahrscheinlich, dass jemand die echte Realität, also die Wahrheit, perfekt nachkonstruiert).
Die meisten Menschen vertrauen vollkommen darauf, dass ihre Sinne ihnen die Realität ausreichend exakt darstellen. Sie sehen keinen Grund darin, daran zu zweifeln, dass die Realität, wie sie sie wahrnehmen, nicht auch die tatsächliche Realität ist (und eben nicht die Matrix) und selbst wenn sie es nicht ist, ist ihnen das egal. Denn egal ob real oder nicht, ins Feuer zu fassen tut weh. Ein von ihnen wahrgenommener Stein schert sich nicht darum, ob er real ist oder nicht, er fällt wenn man ihn eine Schlucht runterschmeißt und man kann auch berechnen, wie schnell er das tut.
Dabei machen sie sich die Methode zu eigen, die auch die Wissenschaft anwendet: Sie nehmen Dinge als wahr an (zum Beispiel die Existenz eines Steines, seines Falles, seiner Geschwindigkeit(-szunahme), der Schlucht etc pp) und gehen von diesen Annahmen aus dann mit Logik an die Sache heran.
Das generelle Prinzip, das dahinter steckt, ist ebenfalls das der Wissenschaft (womit ich nicht sagen will, dass Menschen wie Wissenschaftler denken. Nein, Wissenschaftler denken wie Menschen!): Komplexitätsreduktion. Es ist nicht zwingend notwendig, die Annahme zu machen, der Stein sei nicht real, wenn ich einfach nur wissen will, wie schnell er fällt, also mache ich sie auch nicht. Und genauso wenig muss ich an Gott glauben, wenn's ohne den Glauben genauso gut funktioniert. Sie glauben auch nicht daran, in der Matrix zu leben, denn selbst wenn es so wäre, was würde es ändern? Ich kann es nicht beweisen, also ist es einfacher, es nicht zu glauben, denn es ändert nichts an dem, was ich letztlich wahrnehme.
Das ist übrigens auch er Grund, warum Gott quasi nie in der Wissenschaft vorkommt, denn meistens reichen Erklärungsmodelle ohne Gott aus, um die Erklärung für das, was man erklären will (das sog. "Explanandum") zu liefern. Gott wäre dann nur eine zusätzliche Variable, die das ganze komplexer machen würde, was eben keinen Sinn in Bezug auf die Erklärung machen würde. Warum muss ich eine extrem komplizierte Theorie um einen Gott erschaffen um zu erklären dass Steine fallen, wenn ich auch die im Vergleich dazu einfache Theorie der Gravitation nutzen kann? Ist doch nur unnötig kompliziert, und sie kann genauso wahr oder falsch sein wie die Annahme der Existenz eines Gottes.
Es ist also aus menschlicher Sicht gesehen vollkommen vernünftig anzunehmen, man würde die Wahrheit auch so wahrnehmen (Das mach ich selbst auch ;P). Dem ist aber nicht so, und wenn, dann ist das ein gigantischer, fast unmöglicher Zufall. Insofern argumentiert wohl absolut niemand mit wirklich wahren Fakten, sondern immer nur mit Tatsachen, die aus seiner Realitätskonstruktion entstehen. Diese können realitätsnah sein, aber sie treffen die Realität eben quasi nie wirklich.
Zusammenfassend in einem Satz: Es ist sehr einfach, sehr praktisch und sehr bequem (und keinesfalls verwerflich!), seine eigene Realitätskonstruktion als Wahrheit hinzunehmen, deswegen muss sie aber noch lange nicht der Wahrheit und somit den Fakten entsprechen!
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