So! Da der letzte Blog ja sehr gut ankam möchte ich hier nun über meinen Zweiten Sud berichten, diesmal aber alles in einem Eintrag, da Equipment etc. ja bereits ausführlich beleuchtet wurden.

Prolog

Das erste Bier ist seit gestern nun leer (bis auf eine Flasche die dann bei Erhalt der Zusage meiner neuen Uni geköpft wird), alle waren durchweg begeistert und ich habe bereits mehrere Kästen an Vorbestellungen für Geburtstage nächstes Jahr oder auch einfach so bekommen.
Für Geburtstage lasse ich mich vielleicht noch breitschlagen, was will man auch sonst schenken, und man hat bei der Feier ja selbst was davon. ;-)
Massenweise Brauen werde ich aber, auch wenn es Spaß macht, nicht. Dafür fehlt im Studium einfach die Zeit und noch ist die Ausrüstung für massenweises Brauen auch nicht ausgelegt. Vielleicht in 1-2 Jahren, wenn man Rührwerk und ein computergesteuertes Thermostat etc. hat. Wer weiß.

Wie solls werden?

Aber nunja. Neues Bier, erneutes Glück und diesmal noch etwas anders.

Das Leben wäre ohne Veränderung ja langweilig, und auf der einen Seite schwärme ich von den Pale Ales ohne dann das englische Pale-Urmalz schlecht hin zu verwenden? Geht garnicht!

Deswegen habe ich für dieses Bier nun Maris Otter Malz auserkoren. Ein Malz aus der Wintergerste mit leicht nussigen Geschmack.
Dazu gesellen sich alte Bekannte, die CC Brüder Cascade und Chinook und der Neuzuwachs Citra (deswegen Otter-CCC ;-).
Geschmacklich ist Citra der Obstkorb unter den Hopfen. Bekannt für seine starken Aromen der tropischen Früchte wie (vor allem) Limette, Litschi, Mango, Papaya,...

Angepeilt sind wieder etwa 40 IBU und Whirlpool-Hopfung. Hopfen insgesamt kommen diesmal 75g rein. Plus, diesmal, 4g/l zum Hopfenstopfen natürlich. ;-)
Also insgesamt etwa 150g. So etwa das 8-fache eines Pilses. Wer hat, der kann, ne?

Es wird also ein erneut vollmundiges, fruchtig frisches Bier, diesmal mit etwas weniger CO2 (4g/l angepeilt). Geschmacklich wird es wieder Pinie, Zitrus mit einem starken Einschlag nach tropischen Früchten, insbesondere Mango.

Rezept

4kg Malz - Maris Otter Pale Ale
15l Hauptguss
55°C, 5 min Einmaischen & Eiweißrast
63°C, 60 min Maltoserast
73°C, 30 min Verzuckerungsrast
78°C, 25 min abmaischen

15 min Läuterruhe

Nachguss etwa 15l. Diesmal auch solange, bis die Würze nur noch mit etwa 5 Brix (diesmal Brix da ich nun ein Refraktometer habe, 1 Plato = 1 Brix / 1,03) rauskam. Im übrigen lohnt es sich wirklich in ein Refraktometer zu investieren wenn man öfters braut. Einfach super angenehm, entspannt, ohne Umrechnen und wesentlich schneller. Plus: Man verbraucht weniger Würze. Ist vor dem Hopfenkochen zwar noch nicht so das Problem, da dort alles im Nachhinein eh sterilisiert wird. Aber wenn man zum Beispiel die Stammwürze noch einstellen will oder zur Prüfung des Restvergärgrades etc. braucht man 1ml anstelle von 200.

Hopfenkochen: (nach Würzebruch der diesmal komischerweise direkt am Anfang auftrat)
90 Minuten, 5 g von jedem
10 Minuten vor Kochende, 10g von jedem
Abkühlen lassen auf ca. 75°C, 30 Minuten angepeilt
Whirlpoolhopfung: 10 Minuten bei 75°C, 10g von jedem, dann andrehen -> 20 Minuten warten.

Hefe ist wieder die Notthingham Ale, dank der das Bad wieder nach überreifer Banane riecht. Hopfenstopfen dann wird etwa 4g/l für 3-4 Tage angepeilt.

Hier ein paar Bildchen!

Spoiler: 
Das Malz


Das Einmaischen


Das Hopfenkochen


unfreiwillige Planänderung

Nun, eigentlich sollten es ja 40 IBU werden. Wenn man aber vergisst bei der Bestellung das Kilogramm Spezialmalz zu dem Anteil des Pale Malzes draufzurechnen, dann hat man halt ein Kilo weniger. Natürlich fällt einen das erst dann auf, wenn man alles schon im Gärfass hat und sich wundert, warum das auf einmal nur 15l sind, wobei alles eigentlich super geklappt hat (wobei ich wieder nur ca 53% Sudhausausbeute habe).

Und Hopfen tut man natürlich wie für den großen Ansatz. ^^

Nungut. Ich hab mit 60 IBU, die es haben soll, ja kein Problem, die Familie vermutlich eher. Macht aber nichts, bleibt mehr für mich. :D
Leider ist es ja aber auch weniger :`(


Update

Von wegen 60 IBU!
Von der Bittere des Jungbieres ist kaum noch etwas zu spüren. Es schmeckt eher wie 35-40. Die Bittere kommt zwar, aber ganz sanft und nicht mehr so spitz. Gefällt!
Dafür kommen eine Fülle verschiedener Fruchtnoten dazu. Auf jeden Fall schmeckbar ist wieder die leckere Kombination aus Cascade und Simcoe, also Citrus und Pinie. Neu dazu, vor allem auch geruchstechnisch, gesellt sich eine Mischung aus tropischen Früchten vom Citra. Welche genau das sind, kann ich noch nicht sagen. Der wird ja nicht umsonst als der Obstkorb der Hopfen genannt. ;-)
Wenn ich mich festlegen müsste würde ich sagen leicht Mango (vor allem hats den samtigen Abgang einer richtig reifen frisch gepflückten Mango) und leicht Papaya. Citrus, gefolgt vom harzigen, dominiert aber eindeutig.

Hopfennote ist definitiv stärker ausgebildet als beim rWIPA, möchte aber ja auch sein bei der doppelten Menge Stopfhopfen. ;-)

Zum Malz kann ich nicht zu viel sagen. Leicht kerniger Geschmack der gut zur harzigen Note passt. Es schmeckt gut, aber für mehr war beim (warmen und ohne Kohlensäure) Probierschluck nicht drin.



Fazit bisher: Ein unglaublich leckeres Bier. Freu mich schon wie ein kleines Kind auf die erste Verkostung.
Im übrigen 13,5l (Flaschenware) sinds geworden.

Abschließend noch ein paar Bilderchen! Und besonders ein RM-User wird sich beim Anblick des ersten Bildes wohl freuen.
(Sorry, die 2 großen sind für mich, bzw. für unseren Umzug anstelle des Sektes und die erste Bestellung für einen Geburtstag ;-)

Groß und Klein



Tunnelblick


Abfüllstation


Update 2

Da ich es nicht erwarten konnte habe ich kurzentschlossen 2 Flaschen zu meinen Eltern mitgenommen und wir haben sie nach 5 Tagen Flaschengärung schonmal probiert:
Der Geruch ist wirklich der Hammer.
Geschmacklich eine leichte Maracuja Note und ein ganzes Potpourries aus anderen Früchten. Zitrus und leichte Pinie dominieren allerdings noch immer.

Fazit: Gefällt. :D

Im übrigen habe ich gestern die letzte Flasche meines ersten Sudes getrunken. Die reifte nun etwa 6 Wochen im Kühlschrank. Immer noch ein gutes Bier, vom Hopfen ist aber, bis auf eine leichte Zitrusnote nichts mehr zu schmecken gewesen.

Fazit 2: Lieber frischer trinken und einen noch nicht ganz runden Geschmack (wie nach 1-2 Wochen Reifezeit) hinnehmen als wirklich die empfohlenen 2-4 Wochen reifen zu lassen und dann nichts mehr vom Hopfen zu haben. Kommt natürlich immer drauf an, wie schnell man das Bier leer kriegt. ;-) Für Festivitäten kann man ja ruhig 2 Wochen reifen lassen. Dann ist es wirklich perfekt. Aber so ein frisch Hopfengestopftes ist auch was sehr feines. ;-)

Das nächste und letzte Update gibt´s dann in 2 Wochen nach der Reifezeit von einer bzw. 2 Wochen.
Und der nächste Blog erscheint dann wenn ich mich mal ans Extraktbrauen mache. Das kann allerdings noch gut 1-2 Monate dauern, da erstmal keine Anlass mehr bevorsteht und noch einiges anderes zu tun ist.

UPDATE 3

So, das letzte Update zu diesem Bier.

Warum? Weil einfach nichts mehr (bis auf 2 Flaschen die hoffentlich morgen geköpft werden) da ist. :-(

Es ist auch wieder ein sehr gutes Bier geworden, wie auch das erste. Auch hier nimmt das Aroma natürlich recht schnell ab, die Fruchtnoten bleiben aber über 3-4 Wochen definitiv schmeck und vor allem riechbar.

Mein Fazit zum selber brauen ist demnach: Nur Mut! Mit ordentlicher Vorbereitung, Disziplin und Sauberkeit kann nicht so viel schief gehen. Gerade obergärige Biere sind da wirklich sehr entspannt weil sie auch kaum Ansprüche an die Temperaturen stellen. Wo untergärige zunächst bei am besten 8-14° gären sollten ist man bei obergärigen bei normaler Raumtemperatur von 18-25°C. Auch die Reifung ist unkomplizierter und man kommt schneller zum Ergebnis (1-2 Wochen vs. 1-2 Monate). Und auch wenn die ersten Gehversuche vielleicht nicht direkt das perfekteste Bier überhaupt heraus bringen so sind und bleiben die Biere dennoch weit weit weeeeeit über dem Niveau was man normal im Supermarkt bekommt und, zumindest in meinem Fall, auch besser als das meiste was man im Fachgeschäft bekommt und mit 2,50-3,00 € die 0,3er Flasche bezahlt.

Für alle die es auch mal probieren wollen aber nicht gleich 200 Euro ausgeben wollen wäre mein voraussichtlich nächster Blog was.
Ich werde Extrakt brauen und dies voraussichtlich auch mal mit der High Gravity Methode. Das heißt ich werde stärker einbrauen (etwas weniger als die Hälfte der gewünschten Sudmenge) und anschließend auf die gewünschte Ausschlagmenge verdünnen.
Vorteil beim Extrakt brauen ist, dass der Läuterbottich zusammen mit gut 4-5 Stunden Arbeit weg fällt da das ganze Maischen bereits erledigt wurde und ansich nur das Hopfenkochen + Gären + Hopfenstopfen anfällt. Und das sind, meiner Meinung nach, die Schritte die auch den größten Einfluss auf den Geschmack des Bieres haben. Das bezahlt man mit etwa 20% Aufpreis, also ca. 5 Euro. Und 5 Euro bin ich für 4-5 Stunden Arbeit gerne bereit mehr auszugeben.

Anschaffungskosten betragen demnach etwa 20€ für ein Gärfass/Gäreimer, 10 Euro eine Dichtespindel, 10 Euro Schlauch, ca. 30-40 Euro für die Flaschen (man kann auch rechtzeitig vorher anfangen und nur noch Biere in Schnappflaschen kaufen. ;-) Diese aber immer direkt nach dem Trinken mehrfach heiß ausspülen, wie mit allen Bierflaschen. Das senkt den Aufwand für die Reinigung und die Gefahr späterer Infektionen). Und ein großer Topf (besten Falls 10l oder mehr. Eventuell einfach auch ausborgen).

Gesamt also vielleicht 50 Euro. (Flaschen und Topf mal ausgenommen)

Hopfen, Malz, Hefe ca. 25€

Eine ganz andere Hausnummer als 200 €, was? ;-)

Also, seid gespannt auf den nächsten Blog meine lieben Bierfreunde. ;-)