... oder: Was tun wenn man an seine Ausschlaggrenze kommt?

Einschub Geschichte IPA
Spoiler: 
Einige werden diese Metapher auf das "Real" IPA vermutlich nicht verstehen:
Der alte Seemannsgarn der um die Entstehung des IPAs gesponnen wird ist dass damals Bier in die britischen Kolonien in Indien gebracht werden sollte. Da damaliges Bier aber nicht viel mit heutigen Bier zu tun hatte sondern einen geringen Alkoholgehalt und gering gehopft war, und eher der breiten Versorgung der Bevölkerung mit billigen Kalorien zu versorgen (daher auch der Begriff "flüssig Brot") anstelle des heutigen Genussmittels diente, und es demnach nicht wirklich haltbar war ging dies nicht. Die Legende besagt nun, dass die Brauer anfingen das Bier stärker einzubrauen (-> höherer Alkoholgehalt) und mehr Hopfen verwendeten (da dieser antimikrobiell wirkt) um die Haltbarkeit zu erhöhen. Es kam also ein Bier mit 7-9% Alkoholgehalt, knackiger Bittere und viel Hopfenaroma zustande was zudem Haltbar und damit auch über die Seestraße nach Indien transportierbar.
Ziel war es eigentlich das Bier dann auf die normale Stärke herunter zu verdünnen. Da es den britischen Kolonialherren aber so gut schmeckte haben sie es einfach Pur gesoffen und es wurde so beliebt, dass ein neuer Bierstil geboren wurde!
Warum nun meins "The Real IPA" heißt erschließt sich nun hoffentlich im Verlauf des Blogs ;-)


Update: Das Bier in Bild ;-)




So ein neues Geburtstagsbier wird gebraut und da es diesmal wieder eine besondere Braumethode ist, dacht ich mir ich hau mal wieder einen Blogeintrag raus. Nachdem ich das Osterbräu ausgelassen hatte (was als bisher 2. bestes Bier geranked wurde, gut gestopft und gehopft, allerdings mit 20 IBU von der Bittere her wie ein gut süffiges Pils), wird es sowieso mal wieder Zeit. ;-)

Da gleich 2 Geburtstage anstehen und einer davon auch noch ein Runder ist musste ich natürlich eine recht hohe Ausschlagmenge anraumen.
Und natürlich muss es sich auch lohnen, weil manuelles Maischebrauen halt tatsächlich etwas aufwendig ist. ;-)

Also Malz bestellt:
2 kg Spring Pale Ale Malz
4 kg Golden Promise Pale Ale Malz
1 kg Best Red X

So: 7 kg Malz. "Berechnen wir doch mal die Schüttung was ungefähr zu erwarten ist. 25l Ausschlagmenge (Kocher fasst nur 27l, Gärfass nicht ganz 30l): 7,4% Alkohol."

Da das etwas stark ist muss ich also stärker einbrauen, stärker hopfen und anschließend bei der Abfüllung runter verdünnen. Na, wem erschließt sich nun die Referenz zum "Real IPA". ;-)

Wobei, so eine Geburtstagsfeier wo mit jedem Bier im Vergleich zu normalen Bier zusätzlich immer noch fast 2 Shots dazu getrunken wird... Würde bestimmt lustig werden.

Aber so oder so: Es wird knapp im Topf und Fass und Abfüllung. Je nach Sudhausausbeute die ich erreiche können es bei gewünschten 5% Alkoholgehalt zwischen 30l und 40l werden. Mit 30l bin ich bereits im "Sudhaus" ÜBER meiner Grenze und im "Gärhaus" bereits nominal exakt AN der Grenze. In der Realität auch hier drüber, da man immer einen Puffer für die Kräusen der Hefe einplanen sollte. Und das können gut und gerne 5l sein, ansonsten steigt sie durchs Gärrohr hoch.

Deswegen muss ich zwangsweise auf High Gravity brauen. Also mit so wenig Wasser wie möglich arbeiten und damit hohe Extraktgehalte erreichen.
Zum Gärfass hin muss es einen Tick verdünnt werden und nach der Gärung mit sterilen Wasser weiter auf Ziel verdünnt werden.

Da ich aber zum jetzigen Zeitpunkt weder Sudhausausbeute noch Endvergärgrad der Hefe kenne wird die Berechnung der notwendigen Hopfengabe also recht schwierig. Es soll ja nicht zu bitter sein (da doch irgendwie alle die leichteren Biere bevorzugen. Banausen... ;-)).

Es bleibt also Spannend!

Maischeprogramm:

55°C Einmaischen,
60°C Eiweißrast für 10 Minuten
64°C Maltoserast für 60 Minuten
74°C Verzuckerungsrast für 40 Minuten
78°C Abmaischen für 20 Minuten

20 min Läuterruhe, in der Zeit natürlich Sauber machen und schon wieder Wasser "kochen" (etwa 80°C).

Nun ist es also geläutert und beim Hopfenkochen.
Stand jetzt: 27l mit einer Gehalt von 17 Brix (oder auch 16,5 ° Plato).
Meine Sudhausausbeute beträgt etwa 65 % (Stand Hopfenkochen!). Ein guter und auch mein höchster Wert bisher. Leider konnte ich nicht alles aus dem Malz läutern... Der Extraktgehalt lag noch bei 15 Brix. Jeder Liter der noch geläutert werden würde würde also noch 1:1 ein Liter Bier ergeben... Leider bin ich eben in meiner Sudpfanne bei 27l einfach an der Grenze... Schade, lässt sich aber nicht ändern.

Stand jetzt hat das fertige Bier etwa um die 6,2% Alkoholgehalt. Um auf den Zielgehalt von 5,0 % Alkohol zu kommen muss ich das Bier also mit etwa 5l Wasser dann verdünnen. Das ist okay und hält sich in Grenzen. Insgesamt erwarte ich also eine Ausbeute von etwa 33 Litern Bier.

Wobei ich ehrlich gesagt nun am überlegen bin es doch als IPA zu belassen 6,1 % und 40 IBU sind alles andere als nicht trinkbar und es zählt damit immer noch zu den Light IPAs (Normal wie gesagt ab 60 IBU und eigentlich etwa 7%)

Nun zur Hopfung:
Vorderwürzhopfung:
10g Ariana
10g US-Cascade
5g T´n´T
5g US-Chinook

Whirlpool:
10g von jedem


Aromabeschreibung der Hopfen:
Spoiler: 

Ariana
Hüller Neuzüchtung 2016
11%α
angenehm, Birne, Geranie, Grapefruit, harzig, Johannisbeere, Lavendel, mild, Pfirsich, Stachelbeere, Tropenfrüchte, Zitrusfrüchte

Cascade
5%α
blumig, Grapefruit, parfumartig, würzig, Zitrusfrüchte

Chinook
13%α
Grapefruit, Pinie/Kiefer, Zitrusfrüchte

TnT
Hopfenmischung, intensives Aroma süßer Früchte, roter Beeren und Zitrus
12%α
beerenartig, fruchtig, süßlich, Zitrusfrüchte



Also es sind etwa 20,5l + 1,5l (Speise) mit 18 Brix (etwa 17,5° Plato) geworden. Da dies einen Alhoholgehalt von fast 8% bedingen würde musste ich definitiv verdünnen. Mit 4l Wasser extra bin ich nun bei rund 25l (+2l Speise) und 15 Brix.
Damit sollte das Bier etwa um die 6,0-6,5 % Alkohol haben. Ich mache natürlich noch eine Geschmacksprobe und entscheide dann (ungestopft, dann ist die Gärung durch und ich hab mehr Platz im Fass) ob ich noch weiter runter verdünne oder nicht. Aber ich denke die knapp 27l reichen aus, erschöpfen meine Abfüllkapazitäten leider auch schon (da ein Fass kaputt gegangen ist...) und mei... 6% des is joa fast guarnix! ;-)

Da der Brauprozess nun fast durch ist (etwa 1,5h noch) schonmal der nächste Schritt heute Nacht irgendwann: ;-)

Hefe: Danstar West Coast IPA

[Update] Tag der Entscheidung

Gestern Abend war dann die Gärung durch. Also eine Probe mit Kelle genommen und gemessen. Das Refraktometer zeigt 7 Brix Restextrakt an. Korrektur berechnet:

Messwerte
Stammwürze:14.4 °P (15 Brix)
Refraktometer-Messwert: 7 Brix

Berechnung:
Scheinbarer Restextrakt: 2.9 °P (1.012 SG)
Scheinbarer Vergärungsgrad: 80 %
Tatsächlicher Restextrakt: 5 °P
Tatsächlicher Vergärungsgrad: 65 %
Alkoholgehalt: 6.3 %vol
Energiegehalt pro 0,5l: 272 kcal = 1140 kJ

Also: Verdünnen oder nicht? Wie könnte man es besser entscheiden als mit einer Kostprobe?

Also ab ins Glas!

Optischer Eindruck: Extrem schöne goldene Farbe, weites gehend geklärt, wie sich ein natürtrübes halt klärt, ne ;-)

Geruchsprobe: Sehr gut. Gute Malznote, gute Hopfennoten, Hefestichtig (Scheinbar ist nicht die Ganze Hefe rehydriert wurden und es hat sich natürlich auch noch nicht alles abgesetzt, ergo viel Hefe oben drauf: von daher ganz normal)

Geschmacksprobe: Ja man merkt halt den Unterschied zwischen einem Standard Malzextrakt und einem gezielt für das Bier designten Infusionsmaischprozess mit sehr guter Malzqualität und Verwendung von Spezialmalzen...

Gute Malznote die den Hopfen aber vollkommen Freiheit lässt aufzuspielen. Eine gute Süße die gut mit den knapp 45 IBU spielt und gleich aber auch ein wenig Fahrt raus nimmt damit man von der Bittere nicht erschlagen wird. Dazu gesellen sich runde Hopfennoten. Auch ohne Stopfen eine gute Basis aus Zitrus und auch leichten Anflügen von grünen Früchten. Viel mehr aber kommt der Anteil an Ariana und Chinook durch: Schöne harzige Aromen die einen ein wenig in Erinnerung an frische Tannenzapfen und den Duft von Nadelwäldern schwelgen lassen.

Definitiv eines der besten Biere. Ein Bier das ich am liebsten alleine, in Ruhe vor dem Kamin in einer Waldhütte trinken würde und das einen die Welt um einen herum vergessen lässt. Ein Bier das man am liebsten mit der ganzen Welt teilen würde und gleichzeitig aber doch für sich behalten möchte.
Und ein Bier was mich daran erinnert, warum ich mit dem Brauen angefangen habe und warum ein gutes IPA für mich persönlich einfach DAS Bier ist...

Nach der doch sehr emotionalen und bildlichen Beschreibung muss ich glaub ich nicht weiter ausführen warum ich mich gegen eine Verdünnung mit Wasser entschieden habe und es so lasse wie es ist, oder?

Gestopft wurde im übrigen mit 95g, also etwa 3,1g/l.
20g Chinook
30g Cascade
45g Ariana (die dann leider auch alle ist)

Kostenberechnung Rohstoffe: 30,65€ / ~28l

Also etwa / 1,10€ der Liter bzw. 55 Cent der halbe Liter.

Im Vergleich zu gekauften IPAs (die im günstigsten Fall (die wenigen Ausnahmen mal ausgenommen) 2 Euro pro 0,33l kosten) also etwa 5 Euro pro Liter bzw. 2,5€ pro Flasche gespart.
Oder mit anderen Worten: Im Bottich liegen 180 Euro. ;-)


Abgefüllt wird etwa am Dienstag.

Leider sind es nur 23l geworden. Soviel zu den 30l bzw. 27l Fassungsvermögen die angegeben werden... Aber egal. Reicht, ist nur Schade weil damit die Ausschlagmenge noch begrenzter ist.
Geschmacklich (allerdings mit Speise, also süßer): guter Malzkörper, Anfangs eine schön fruchtige Spitze, gefolgt von einer langanhaltenden Mischung aus Pinie und Frucht.

Der Schluck war zu wenig um die Noten exakt zu zuordnen. Aber eins lässt sich sagen: Hammer Bier!

Finales Update kommt dann in etwa 2 Wochen mit endgültigen Geschmackstest und Bilder vom flüssigen Gold (ernsthaft die Farbe!).

[UPDATE: GESCHMACK!]

Absolut genial... Das beste IPA das ich je getrunken habe...
Geruch: Deutlich eine saftige Maracuja und nebenher andere Zitrusfrüchte
Bittere (nachgerechnet): 50 IBU, merkt man auch, aber keineswegs aufdringlich, Bittere geschmacklich eher wie ein leicht herberes Pils, als Vergleich.
Geschmacklich: Gut malzig, leichte schwere durch den recht hohen Alkoholgehalt. Sehr ausgewogen fruchtig. Es sticht nichts wirklich vor, sondern wirklich sehr sanft und gleichmäßig ein ganzes Potpourri aus Zitrusfrüchten, gepaart mit ein paar leicht harzigen Noten.
Einfach rund, stimmig, lecker...

Definitiv empfehlenswert nachzubrauen.

Hier nun noch wie versprochen die Bilderchen!
Spoiler: 

Haferschleim Deluxe