Teil 1: http://www.readmore.de/users/13534-jaegerlie/blogs/407-hobbybrauen-mein-erstes-bier-planung-und-anschaffung
Teil 2: http://www.readmore.de/users/13534-jaegerlie/blogs/410-hobbybrauen-mein-erstes-bier-teil-2-das-brauen

Die Gärung lief an! Nach etwa 12 Stunden. Das Gärröhrchen blubberte langsam, es bildete sich Schaum. So wie es sein soll bei einer obergärigen Hefe.

Vorbei war sie auch schon bereits am Sonntag. Also in guten 4 Tagen. Das war allerdings auch den hohen Temperaturen geschuldet... Leider waren es teilweise 25 Grad...

An sich nicht schlimm, allerdings KANN dies zu unerwünschten Nebenprodukten führen.
Gut Ding will eben Weile haben.

Da das Bier ja aber sehr Hopfenlastig sein sollte kam nun noch eine weitere Hopfengabe dazu, das sogenannte Dryhopping, das Kalthopfen oder auch einfach auch Hopfenstopfen genannte Methode.

Hierbei wird nach der Hauptgärung (damit das austretende CO2 nicht die Aromen mitreißt) noch einmal ordentlich Hopfen zugeben.

In meinem Fall waren dies nochmal Cascade und Chinook.

Für weitere 2 Tage stehen gelassen und gewartet.

Währenddessen gestern die Flaschen heiß ausgespült.

Heute morgen dann die Flaschen zum sterilisieren bei Umluft und 150 Grad in den Backofen, die Bügelverschlüsse ran und alles für die Abfüllung vorbereiten.

Zur Sicherheit noch einmal gespindelt, nicht das die Gärung nur eingeschlafen ist und ich mir dann ein paar Flaschenbomben baue.

3,5° Plato Restwürze. Das ist okay, da ich ein vollmundiges haben wollte und ja auch eine extra lange Verzuckerungsrast einlegte kommt das hin.
Alkoholgehalt im fertigen Bier also etwa 4,8 %. Plus das aus dem Fehlvolumen. Also etwa 5,4 %. Wie angedacht.

Die Speise dazu gegeben, kurz umgerührt und abgefüllt. (Im Läuterbottich, da dieser nochmal filtert).

35 Flaschen sinds geworden, leider durch die warmen Temperaturen etwas Volumen verloren und auch kann man leider nicht alles überführen, schließlich will man ja nicht noch extra Hefe und Hopfen in die Flaschen bekommen.

Hier das Ergebnis:



Und hier damit man auch mal was sieht:



Und da man das gute Zeug ja nicht einfach wegschütten kann einfach mal probiert (Ist ja noch ohne Kohlensäure, bei 25°C Temperatur und nicht gereift).

Das Ergebnis: Eines der besten Biere die ich je getrunken habe!
Leicht süßlich, unglaublich voller Körper. Alkohol kaum schmeckbar.
Leichte Bitterkeit die sehr gut mit der Süße spielt.
Dazu dann die Explosion vom Hopfen.
Das leicht harzige vom Chinook zusammen mit dem unverwechselbaren Aroma vom Cascade, blumig mit leichten Anflügen von Zitrusfrüchten.

Einfach der Wahnsinn...


Der Haken: Noch 1 Woche Nachgärung und 2 Wochen Reifezeit abwarten bis man es endlich richtig verkosten kann. :-(

Update: Der Frau schmeckts auch ausgezeichnet, damit stehen weiteren Brauversuchen nichts mehr im Wege. :P

Nun hat es auch Kohlensäure, und das nicht zu wenig. Es ist extrem feinperlig. Das sieht man auch am Schaum der sehr schön feinporig ist, allerdings nicht zu lange hält.
Auch das LAUTE "Plopp" beim öffnen der Flasche kommt gut. ;-)

Der Geruch geht, wie erwartet in die Citrus-Richtung. Sehr fruchtig, leicht, leicht blumig und einfach extrem anregend.

Der Geschmack (zugegeben, es war die letzte abgefüllt Flasche bei der auch noch gut Hopfen mitgekommen ist) ist im Antrunk dann etwas Harzig nach eben Pinie (hab aber noch nie am Baumstamm geschleckt, aber Pinienhonig etc. geht auch in die Richtung ;-), dann kommt die sehr zurückhaltende Bittere die aber sofort binnen 1-2 Sekunden durch die Frucht, Malz und Süße abgeholt wird und weg ist.

Alkohol schmeckt und merkt man so gut wie nicht.

Im großen und ganzen ist es also tatsächlich so wie ich es mir erträumt habe. Sicher kann man hier und da noch was ändern. Aber für den ersten Versuch einfach schon ziemlich nahe an dem was ICH mir unter dem perfekten IPA vorstelle.

Update 2

So, zum Geburtstag wurde nun das Bier auch endlich mal mit mehr als nur 1 Flasche verkostet und die Reifezeit von 2 Wochen nach Flaschengärung ist durch!

Allgemein:
Das Bier ist noch einmal deutlich runder geworden.

Die Bittere hat etwas abgenommen und ist nun nicht mehr so präsent sondern gliedert sich ziemlich gut ein. Nicht aufdringlich, aber schmeckbar. So wie es, für meinen Geschmack, sein sollte.
Die Süße hat auch etwas abgenommen. Wahrscheinlich hat es den Rest einfach noch langsam vergärt.
Die Schaumkrone ist nun extrem gut ausgeprägt. Da hat die Reifezeit anscheinend wirklich einen Bärendienst getan. Sie nimmt zwar, wie bei jedem Bier, relativ schnell wieder ab, aber ein Rest bleibt standhaft stehen. Selbst nach 10 Minuten war beim letzten Schluck immer noch eine leichte Schaumdecke da.

Das extrem hopfige Citrus-Aroma vom Hopfenstopfen ist aber leider auch schon weniger geworden.
Genau das hat aber allen "unbefleckten" Testern besonders gut gefallen, weil es einfach nach Bier schmeckt, aber gleichzeitig halt einfach dieses Aromen als zusätzliche Besonderheit dazu kommen und sich wunderbar einbinden.
Der Vergleich zur ersten Verkostung kann aber auch daran hinken, das in der Flasche (die letzte abgefüllte) ja gut 1 cm Bodensatz in Form von Hopfenresten war. :D

Nun speziell zu "Kaltreifung vs. Zimmerreifung":

Da ich ja keine Erfahrung hatte, wie die Reifung sich wirklich auf das Bier auswirkt und ich im Kühlschrank kein Platz für 2 Kästen Bier hatte habe ich einfach 2 Flaschen Kaltreifen und den Rest (hab dann für einen Kasten später noch im Kühlschrank Platz gemacht), einfach warm (um die 24-27 °C Raumtemperatur, Sommer halt...) reifen lassen.

Fazit: Die Geschmacksunterschiede sind minimal. Während das kaltgereifte Bier etwas frischer im Geschmack wirkte, es hatte beim Antrunk noch eine deutlicher ausgeprägte Spitze vom Hofenaroma, war das warmgereifte eben runder im Geschmack. Meiner Frau hat das warmgereifte dadurch sogar besser geschmeckt als das Kaltgereifte.
Die Kaltreifung ist also definitiv keine "Pflicht", sondern vielleicht eher eine Kür um das Hopfenaroma geringfügig länger aufrecht zu erhalten. Ich schätze das Kaltgereifte ist eine Woche später genauso weit wie das Warmgereifte eben jetzt.
Das bestätigt auch die Meinung von einigen aus den Bierbrau-Foren, die meinen obergärige Biere muss man nicht unbedingt Kaltreifen lassen.



Achja: Und wer jetzt mal Lust und Appetit bekommen hat, der kann zum probieren ja mal in ein Getränkefeinkost oder ausgewählten REWE-Markt gehen und dort ein paar Craft-Biere probieren.

Welche sehr gut und was die Hopfenaromatik angeht auch mal richtig auf die Kacke hauen, sind Simcoe 3, Armasi IPA, Ratsherrnkeller Westcoast IPA und aus Leipzig die Weiße Elster.

Oder wer einen günstigen und überall erhältlichen Einstieg in die Welt der stärker gehopften obergärigen Biere sucht ein kleiner Geheimtipp: Störtebecker Atlantik Ale. Mit 1 Euro die 0,5 Flasche sehr günstig und dabei echt sehr gut.
Natürlich nicht so extrem hopfig, aber man merkt definitiv schon, wie besonders Hopfen schmecken kann.

Achtet bei allen Flaschen auf eine möglichst lange Resthaltbarkeit. Dadurch ist das Bier frischer. Und je frischer umso mehr Aroma ist noch drin.

Aber Vorsicht: Wer einmal ein frisches hopfengestopftes (vom Fass) getrunken hat, der wird nie wieder ein normales Pils wollen. Und das geht ins Geld. ;-)