Hallöchen!

Für die treue und stets mitlesende Fangemeinde hier der Blog zum ersten Bier des Jahres!

Anlass ist eine Geburtstagsfeier und da gerade (wieder) Prüfungszeit ist fehlt natürlich die Zeit zum richtigen Maischebrauen.
Aber das Extraktbrauen hat ja auch seinen Charm, wie man am letzten Bier erkennen kann. ;-)

Diesmal:

Malz:
Weyermann Vienna Red (was mehr ein Braun als ein Rot ist! -.-) Malzextrakt
(Pilsner, Wiener und Melanoidinmalz)

Hopfen:
Mandarina Bavaria (deutscher Biohopfen)
Cascade (aus der Hallertau)

und der neue:
T`n`T (rote Beeren, Mango, Zitrus, Dryhopping: Crema Caramel und Birne)

Hefe:
Danstar Westcoast IPA (Bringt zusätzlich einige Esteraromen mit ins Bier)

Geworden sind es (stand jetzt) etwa 22l mit etwa 11 °Plato (11,5 Brix), Alkoholgehalt damit etwa bei 4-4,5%.

Besonderheit diesmal: Die Hopfengabe

Anstatt der normalen Hopfung bei/kurz nach Kochbeginn habe ich mich diesmal für die Vorderwürzhopfung entschieden. Da die meisten beschriebenen Methoden aber keinerlei Sinn machen (meist kurz vor Kochbeginn bei 90/95 °C), habe ich mir Gedanken gemacht wie es denn sinnvoller ist.

Ziel der Vorderwürzhopfung ist es durch Isomerisierung, Esterbildung und vor allem Oxidation der Hopfenöle andere, feinere und vor allem mehr Aromen in das Bier zu bekomme.

Dazu bedarf es aber 2 Dinge: 1. Zeit und natürlich 2. Sauerstoff

Weswegen die meist beschriebenen Varianten keinerlei Sinn machen... Chemische Reaktionen brauchen nun mal ein wenig Zeit und sind in der Regel keine Click-Reaktionen... Auch wenn man Temperatur braucht (um überhaupt Reaktion ablaufen lassen zu können bzw. diese auch in hinreichender Geschwindigkeit) geht man nun mit der Temperatur zu schnell hoch hat man nur ein Effekt: Man treibt den kompletten Sauerstoff aus dem Sud. Sauerstoff ist bei 100°C in Wasser praktisch unlöslich. Wie sollen nun also Oxidationsreaktionen statt finden wenn überhaupt kein Sauerstoff drin ist? (jaja, gibt chemisch andere Möglichkeiten, wir gehen aber davon aus das der Anteil anderer natürlicher Oxidantien, gerade durch die Antioxidative Eigenschaften vom Hopfen eher in der Minderheit sind)

Ergo habe ich den Hopfen bei 80°C dazu gegeben - für 17 Minuten, dann waren 100°C erreicht. Genügend Sauerstoff, genügend Temperatur und ausreichend Zeit um ein Teil mehr Bumms in die Suppe zu kriegen.


Dazu gesellt sich dann die Hopfengabe zum Schluss.
Diesmal in der Methode des "Hop-Burstings".
Im Prinzip wie die Whirlpoolhopfung nur das man den Hopfen ein Tick eher dazu (etwa 0-5 Minuten köcheln) gibt damit ein Teil der Alpha-Säure isomerisiert.

Ich hab mich für 0 Minuten kochen und 5 Minuten bei knapp 96°C entschieden. Anschließend habe ich den Sud durch Zugabe von kalten Wasser "abgeschreckt" und war bei der optimalen Whirlpooltemperatur von 75°C (20 Minuten). Dadurch werden nun die leichter flüchtigen Öle herausgelöst ohne gleich zu verdampfen.

Und meiner Meinung nach hat es sich gelohnt. Anstelle der doch kräftigen Haudrauf grasigen-Zitrusnote sowie der kräftigen prägnanten Bittere sonst ist der Geschmack nun viel feiner, die Bittere sanfter und generell der Geschmack sehr samtig und weich.

Geschmacklick wird es also etwas süßer und samtig (die Maische schmeckte schon etwas süßer als sonst, durch den Röstmalzanteil gibt es auch eine ordentliche Ladung unvergärbarer Karamellzucker) mit einer feinen Zitrusnote aus Mango, Maracuja, Zitrone aber eben auch Mandarine und Orange kombiniert mit dem Geschmack von Birne, roten Beeren und (na sind wir mal gespannt:) Caramelcreme.

Liest sich gut? Aber hallo ey...

Dazu kommt: es geht nun erstmal ins Fässchen statt (nur) Fläschchen und mit neuem Equipment (Abfüllröhrchen)!

Auch hier bin ich gespannt inwiefern der Verhältnismäßig geringere Luftsauerstoffeintrag bei der Abfüllung sich auf die Aromastabilität auswirkt.

Update mit Bildern folgt dann!

Update:

Hopfengestopft wurde heute (Samstag, nach ~6 Tagen Hauptgärung) mit insgesamt knapp 60 Gramm.

26g Cascade
20g TNT
15g Mandarina Bavaria

Update 2

Sodale, das Bier ist fertig!

Ziemlich genau 20l sinds geworden (sofern die Fässer tatsächlich jeweils 5l fassen ;-).

Mit dem Abfüllröhrchen ging alles Problemlos, ist etwas angenehmer und schneller als immer den Hahn auf und zu machen zu müssen.
Der Geruch im Gäreimer war einfach Wahnsinn... Ich bin von dem neuen Hopfen (TNT) wirklich schwer begeistert und ein wenig in Love. Er riecht so sanft und rund, dennoch aber sehr kräftig.
Auch geschmacklich wirklich ein sehr runder Hopfen, auch wenn das in der Mischung mit den beiden anderen starken natürlich etwas verschwimmt.

Diesmal geht das Bier also in eine sanftere Zitrusrichtung mit leichten Beeren und grünen Früchten als Beilage (soviel wir aus dem winzigen Probeschlückchen nehmen konnten).

Malz kommt aber auch nicht zu kurz und geht so ein bisschen in die Richtung von Rübensaft (sowohl geschmacklich als auch farblich) bzw. Bayrisch Malzbonbons.

Alles in allem ein gut gelungenes Bier was wieder zeigt das auch mit wenig Aufwand wirklich hervorragende Biere brauen kann.

Abschließend noch ein Bildchen vom Bier. Bzw. von der Speise zum Carbonisieren weil in braunen Flaschen sieht man bekanntlich nichts. ;-)

Nächste Update gibts dann im Glas.




Update: Geschmack

Auch wenn noch gut Kohlensäure fehlt habe ich heute nach 4 Tage (dauert noch 3-4 Tage bis sie durch ist) nach der Rückkehr aus dem Urlaub die erste Flasche probiert.

Leichte Süße (kann aber auch noch vom unvergorenen Anteil stammen), sanfte Zitrusnoten, leichte Röstaromen und Malzbittere und tatsächlich (!): Ein Hauch von Beeren und ein leicht undefinierbarer Geschmack der, zusammen mit den Beeren an eine frische Erdbeercreme erinnert!
Das wiederum harmoniert natürlich super mit der leichten Süße & den Zitrusaromen und ist ein sehr sehr geiles Frühlings-/Sommerbier.

Da kann der Frühling kommen!