... von der Idee zur Brauerei!

Da der letzte Eintrag ja so gut ankam, habe ich mir gedacht euch einfach ein wenig mehr an der Gründung teilhaben zu lassen. Ich denke, das ist für jeden interessant, der mal eine Brauerei oder auch so ein Unternehmen gründen will.
Nun, wie die Idee gekommen ist hatte ich ja schon geschrieben: Ein Händler der mein Bier mal verkostet hat wollte es verkaufen.

Zunächst: Jeder der mit dem Gedanken spielt eine eigene Craft-Bier-Brauerei, ohne wirklich weitreichende Kontakte zu kleinen Brauerein, aufzumachen sollte es ganz schnell vergessen. Das sei euch gesagt von einem, der es gerade durchmacht.
Und wer es jetzt trotzdem nicht vergessen kann, der ist vielleicht richtig hier. ;-)

[Der aktuelle Stand]
Die Umsetzung dieser Idee erfordert aber ganz schön Nerven und Durchhaltevermögen, wie immer bei einer Unternehmensgründung eben. ;-)
Ich habe mittlerweile jede kleinere bis mittelständische Brauerei im Umkreis von 250km angefragt um nach einem Sudhaus mit bis zu 10hl (1000l) Ausstoß zu suchen. Nach zahlreichen Telefonaten, Mails, Besichtigungen, Absagen und Preisangeboten habe ich nun endlich eine Brauerei gefunden mit der es passt und mit der ich zusammen arbeiten werde. Allerdings erst ab Januar 2018, weil bis dahin die Brauerei auch komplett ausgelastet ist. Ende Januar wird es dann das erste Bier von mir geben.

Die Webseite wird Ende des Jahres bzw. Anfang Januar online gehen. Dort wird dann kurz die Idee hinter der Brauerei vorgestellt und natürlich auch die Biere.
Aufgrund der vielen Nachfragen: Ja, mit Onlineshop, und ja mit RM-Rabatt. ;-)
Dazu wird es auch ein paar coole T-Shirts und vielleicht auch Caps geben. Falls wer mag.

Das Logo, Webseite und die Etiketten kommen dann, wenn alles durch ist. Man weiß ja nie, ob nicht doch einer schnell die Marke klaut. ;-)

Aber nun der Reihe nach:

Wie findet man eine Brauerei?

Vorab hatte ich etwas recherchiert. Für Lohnbrauen in meiner Größenordnung bezahlt man, angeblich, zwischen 0,8 bis 1,6 der Liter. Komplett, mit Abfüllung in Flaschen. Kalkulatorisch passt das für mich auch. Denn Wasser und Strom sind bei etwa 0,1 Euro pro 100l, Biersteuer ebenso nochmal 0,1 Euro. Dann noch die Flaschen für etwa 0,40 Cent der Liter, inklusive Kronkorken. Summa Sumarum also etwa 600 Euro bei 1000l an Kosten. Schlägt man dann eben noch ein paar 100 Euro drauf für die Betriebsstunden der Anlagen und eben seinen eigenen zeitlichen Aufwand, dann hat man mit den Leerzeiten seiner eigenen Anlage gut 200-1000 Euro verdient. Ganz nett für beide Seiten.
So viel zur Theorie...

Im übrigen: Von etwa 50 Brauerein wäre das brauen in der Größenordnung nur in 5 Brauerein möglich. Alle anderen sind entweder deutlich zu groß, also eher in die Richtung 100hl, und von der Handvoll in meiner Größenklasse waren nahezu alle komplett ausgelastet.

Von diesen 5 Brauereien waren 2 nicht geeignet da die Biere nur 1,5 Monate MHD gehabt hätten. Teilweise auch nur, wenn sie die ganze Zeit in Kühlung stehen würden.
Mikrobiologisch ist das natürlich absoluter quatsch, aber nunja... Selbst mein Bier, was ich per Hand aus einem offenen Fass in einfach mit kochenden Wasser sterilisierte Flaschen fülle hält ohne Probleme 3+ Monate... Einer davon war noch so frech, mir anzubieten einfach sein Bier für horrendes Geld zu kaufen, selbst abzufüllen und dann unter meiner Marke zu verkaufen. Weil ein wirtschaftlicher Betrieb seiner Kleinanlage sei ja nicht möglich. Klar ist der nicht möglich - bei 1,5 Monaten MHD, erforderlicher kontinuierlicher Kühlung und horrenden Preisen von 120 Euro für 100l und eine Anlage die ich mir in 2 Tagen selbst für 300 Euro zusammen baue...

Dann hatte ich eine Brauerei mit der es so schon gepasst hat, und zu dieser ich nun auch gehen werde. Allerdings war durch den zwischenzeitlich angedeuteten Deal mit dem Großhandel die Ausschlagsmenge von 400l potentiell zu klein gewurden.
Da ich mich aber nun bewusst gegen den Großhandel und für einen, zunächst regionalen, Eigenvertrieb entschieden, passt die Größe nun wieder sehr gut - für den Anfang. ;-)

Die anderen Brauerein... Nunja: Ich rufe nochmal die 0,6 Euro pro Liter an ungefähren Kosten ins Gedächtnis. Das günstige Angebot lag bei 2,4 der Liter, wo ich selbst etwa 2 Tage lang hätte abfüllen müssen (Geräte hätte ich nutzen dürfen), die andere Brauerei lag bei über 3 der Liter. Ohne Rohstoffe , ohne Transport. Netto. Ohne Mehrwertsteuer. Ohne Verluste beim Schlauchen etc.
Zur Erinnerung: Es geht um Leerzeiten wo die Anlage nicht laufen würde.

Mit Rohstoffen läge mein Preis pro 0,33 Flasche also bei 1 Euro bzw. sogar 1,3 etwa. Da frage ich mich doch, wie die ihre Biere bei so hohen Kosten noch für unter 1,5€ in den Laden kriegen.

Tut mir leid, aber das hat absolut nichts mehr mit vernünftiger Kalkulation zu tun sondern ist einfach Wucher... Oder man schlägt eben Unmengen an Kosten für Anlage etc. drauf, was man zwar machen kann, aber nicht sinnvoll ist.
Ich braue jetzt für exakt 1,6€ (+ Rohstoffe) und kriege es dabei noch händisch vom Braumeister in die Flaschen abgefüllt.

Warum gegen den Deal mit dem Großhandel?

Der Punkt der dagegen sprach waren die Kosten. Um die Menge, die ich dafür bräuchte, zu brauen wäre ich bei den eben bei knapp 3 Euro der Liter Bier (günstigste Angebot). Dazu kommt, dass der Großhandel Marge nimmt, der Einzelhandel, dazu kommen Transport und Verpackungskosten, Mehrwertsteuer, ... Dann steht das Bier für bereits bei 2 Euro im Laden wenn ich mir 0,0 Prozent Marge geben würde...

Deswegen setze ich nun auf einen regionalen Direktvertrieb sowie den Online-Shop und fange einfach kleiner an. Der Schritt in Großproduktion wird schon, hoffentlich, früh genug kommen. ;-)
Auch schön: Dadurch, dass der erste Sud erst im Januar gebraut wird ist das ganze Vorhaben nun etwas entschleunigt, ich habe mehr Zeit um die Webseite sowie Etiketten fertig zu machen, habe Zeit in Ruhe nach Lieferanten zu schauen und so weiter. Das Arbeitspensum in den letzten Wochen war schon immens...

Das soll es erstmal für heute gewesen sein. Der nächste Blog-Eintrag geht dann um die gewählte Designsprache, die Webseite, die Gründungsformalitäten (die dann hoffentlich schon abgeschlossen sein werden).
Part 3 wird dann Ende Januar kommen und sich mit dem ersten, unter eigener Flagge gebrauten Bier beschäftigen.

Falls ihr Ideen, Wünsche oder Fragen habt, einfach raus damit. Ich werde alle offen und ehrlich beantworten.

Viele Grüße und bis bald,

Martin

Brauer und Geschäftsfüher von xxx Bieren :P