Sehr geehrte Damen und Herren,
Männer die mal eine Frau waren, Frauen die mal ein Mann waren, Genderlose, Apache Helikopter und andere Spinner,

Es ist wieder so weit und es wird wieder gebraut! Manch einer sagt endlich (ich!), andere sagen "lul hab gelesen Hobbyhuren ban pls" und wieder andere fragen wieviel man denn auf der Bank drückt.
Aber es gibt auch treue und interessierte Leser die ich auch in diesem Blog wieder dafür belohnen möchte und eine Kostprobe zukommen lassen werde.

"Vorkaufsrecht" auf das neue Bier hat rasta!

Neue Stadt, neue Uni, neues Bier, neue Braumethode(n)!

Nach meinem Umzug nach Dresden und dem allmählichen Einleben an der neuen Uni, aufgrund des näher rückenden Weihnachtsfestes sowie den Wunsch der Familie "ich solle doch unbedingt Bier mitbringen, was anderes bräuchen sie nicht", dachte ich mir: Es wird so langsam mal Zeit!

Geplant war sowieso diesmal mit Extrakt zu brauen. Zum einen um zu schauen ob sich die gut 5 Stunden für das selber Maischen auch anders als nur finanziell (Materialpreis etwa doppelt so hoch) lohnen, zum anderen aber auch weil die 5 Stunden für das selber Maischen nicht immer so einfach im Zeitplan unterzubringen sind.

Also ging ich an einem Montagabend auf einen ausgedehnten Spaziergang mit meiner Frau, schön mit Fackeln und unseren Mistgabeln (ich weiß schon was ihr Eier bei "Dresden" erwartet habt. :P) und da kam mir die Idee für den diesjährigen Weihnachtssud.

In Wirklichkeit saß ich natürlich in einer Vorlesung und zermarterte mir den Kopf was denn irgendwie zu Weihnachten passen würde. Ursprünglich plante ich auch ein Maronenbier, allerdings ist dies, wenn man es richtig machen will, eine Schweinearbeit (Maronen vorbereiten etc. und dann kocht man 2 Maischen + läutern, also alleine das Maischen gut 8-10 Stunden Arbeit!).
Klar, zu Weihnachten muss irgendwie was besonderen ran. Und was passt besser zu Weihnachten als Gewürze?

Und keine Angst (rasta :D): Ich verwende kein Hopfen der mit "würzige Aromen nach Estragon, Minze, Thymian und schwarzen Pfeffer" beschrieben wird.

Die Rede ist von meinem Liebling Zimt!

Und da ein Extraktbier brauen und eine Zimtstange reinhängen für einen "erfahrenen" Maischebrauer etwas langweilig wäre habe ich mir überlegt mir wenigstens noch eine neue "Verfeinerungs"methode anzueignen.

Ein Zimtstern to rule dem alle!

Das neue Bier bekommt, wie die Überschrift es vermuten lässt, den Namen "Zimtstern".

Geplant sind etwa 20-25l bei 12° Plato Stammwürze (also wieder etwas unter 5% Alkohol), etwa 4 g/l CO2, 40 IBU und natürlich Hopfengestopft.
Geschmacklich wird es hopfenlich (hihi) eine gute Malznote mit Anflügen von Toffee, Karamel und dunkler Schokolade haben. Dazu gesellt sich eine diesmal leichte fruchtig-harzige Note vom Hopfen sowie ein Hauch von Zimt.

Farblich wird es rot. Passend zum Thema, nicht wahr?

Das Rezept (Mengen werden nachgetragen) liest sich wie folgt:


Malz:
GOZDAWA Amber Malzextrakt
CARAAROMA (Steeped!)

Hopfen:
Chinook
Citra
(Mandarina Bavaria, noch nicht sicher)

Hefe:
Nottingham Ale

Aromatisierung:
Zimt

Neue Braumethoden: Extraktbrauen und Steeping

Das Extraktbrauen wird vorwiegend auch in den USA angewendet.
Es hat den Vorteil das es sehr viel Zeit spart (etwa 5 Stunden) und auch den nicht ganz einfachen Prozess des Maischens erspart. "Nicht einfach" hinsichtlich der Fehler die man machen kann und damit den Geschmack des Bieres versauen kann. Denn treue Leser wissen ja: beim Maischen sind die Temperaturen extrem entscheidend wie das Bier später schmeckt, Schaum hat, wie viel Alkohol sich bildet und und und.
Das Extraktbrauen ist damit sehr sehr einfach. Man löst den Malzsirup im warmen Wasser, kocht anschließend nur noch den Hopfen, fertig. + Nacharbeitung wie Hefe, Gärung, Abfüllung natürlich.

Nachteil des Extraktbrauens ist aber: Man hat keinerlei Einfluss darauf wie die Basis des Bieres, denn die wird nunmal durch das Malz bestimmt, schmecken wird.
Dazu ist es auch gut 60-100% teurer.

Da es in Zukunft mit Studium/Arbeit und familiären Verpflichtungen sowie den aufkommenden Bestellungen für Geburtstage und sonstige Feierlichkeiten nicht einfacher wird die Zeit für das Bier brauen zu finden ist es für mich ein Versuch alles unter einen Hut zu bringen.

Ich bin gespannt!

Nun zum sogenannten "Steepen":
Am besten kann man es wohl in Analogie zum Teekochen betrachten. Spezialmalz wird in einen Beutel getan und für 15-30 Minuten in etwa 71°C warmes Wasser getaucht und gerührt. Als Spezialmalz verwendet man vorwiegend Chrystal oder Röst- /Karamellmalze in denen ein großer Teil der Stärke bereits umgesetzt wurde und zu, meist, nicht vergärbaren (Karamell-)Zuckern umgesetzt wurde. Bei mir eben ein Karamellmalz.

Dabei werden ein Großteil der Zucker, Farb- und Aromastoffe ausgelöst. Man bekommt also den Großteil des Malzgeschmacks ohne Maischen, hat aber nur wenig Ausbeute hinsichtlich späteren Alkoholgehalts.

Eine gute Ergänzung zum Extraktbrauen, wie ich finde! Zumindest in der Theorie, wie die Praxis aussieht wird sich zeigen! ;-)

Wie immer: Der Blog wird fortlaufend ergänzt und mit Bildern versehen.

Ich hoffe ihr seid genauso gespannt wie ich auf das Ergebnis!

Bis dahin und tüdelü!

Update 1: Brautag!

Hallöchen! Nun das erste Update, der Brautag ist zum jetzigen Zeitpunkt (19:20) (fast) vorbei. Die Würze ist gehopft und aus dem Topf rein ins Fass.

Wie versprochen hier auch erstmal ein paar Bildchen. ;-)


Rohstoffe für Zimtsterne und das neue Red Ale welches Anfang nächsten Jahres kommt (wahrscheinlich zum Geburtstag der Frau, also im März fertig).


Bildchen vom Steeping. Es sind zu dem Zeitpunkt knapp 15l. Man sieht also, dass das eine Kilo Malz ganz schön Farbe ins Spiel bringt. Das war allerdings zu Beginn nach etwa 5 Minuten. Zum Ende des Steepings war es schon sehr dunkel. Interessanterweise bringt Steeping nahezu keine Beitrag zum Extraktgehalt. Bei Röstmalz ja sowieso eher wenig, aufgrund der starken Färbung hätte ich allerdings mehr als nur knapp 2 Brix gedacht. Und der Rest ist ja auch noch höchstwahrscheinlich unvergärbar.



Bild vom Hopfenkochen.



Ab ins Fass! Ich lehne mich einmal weit aus dem Fenster und behaupte:
Das mit dem geplanten Rot-Ton wird nichts. Aber Braun ist ja auch ganz appetitlich und passt zum Zimt umso mehr. :P

Erstaunlicherweise hat die Mengenplanung sehr gut funktioniert. Es sind nun gut und gerne 23-24l bei rund 11,5-12° Plato im Tank und 1,25l Speise (16,5°Plato) stehen daneben auf dem Balkon zum abkühlen. Gesamt werden es also etwa 24l in die Flaschen schaffen. Eigentlich hätten es nur knapp 20l werden dürfen. Scheinbar ist der Malzextrakt doch etwas gehaltvoller als man immer überschlägt (80%). Gut für mich. :D

Es sind im übrigen, laut Theorie, etwa 37,5 IBU geworden. Also knapp drunter. Schmeckt angenehm und gut bitter, keinesfalls zu bitter. ;-)
Erfahrungsgemäß bittert das Jungbier ja auch noch etwas ab. Insbesondere da die ganzen Karamellzucker aus dem Röstmalz über bleiben und eine gute Süße einbringen werden die die Bittere noch weiter überdecken wird.

Alles lief, bis auf einen kleinen Temperaturzwischenfall problemlos und recht Fix.
Der Malzsack, welcher eigentlich ein Hopfensack war (bitte... wozu ein Sack für den Hopfen :D) hatte sich auf den Thermofühler gelegt und damit die Temperatur verfälscht... War dann statt der angezeigten 63 Grad bei 80 Grad, während 71 eingestellt waren... Auf jeden Fall 4 Grad zu viel... Aufgrund der kurzen Zeitspanne hat es aber keinen Schaden genommen. Schmeckt gut. :-)

Gedauert hat es knapp 3 Stunden. Im Vergleich zu sonst mit 8-10 Stunden ein sehr sehr guter Wert. Das Sauber machen lief auch schneller von der Hand.

Gegen 22 Uhr war es dann (dank Minusgraden auf dem Balkon) rdy für die Hefe. Auch ein neuer Bestwert, sonst war das so gegen 1 Uhr in der Nacht. :P
Ist gut angelaufen, kräusen stehn und es riecht im Bad nun wieder nach einer Mischung aus Bier und Banane.

Wenn der Geschmack also weiterhin so gut ist, dann ist das Extraktbrauen definitiv eine sehr gute Alternative wenn man eben kein kompletten Tag Zeit hat. Und die 6-8 Euro mehr Wareneinsatz geb ich gerne für 5 Stunden gesparte Arbeit aus.

Im übrigen habe ich bereits eine Probe-Extraktion mit Zimt gemacht. Könnt ihr gerne zuhause mal probieren:
Etwa eine viertel Stange Zimt auf 250 ml Wasser, für 2-3 Tage abgedeckt stehen lassen.
Sehr lecker (wenn man auf Zimt steht wie ich :P)!
Passt sehr gut mit etwas Limettensaft und Sprudelwasser zusammen zu einer leckeren Limonade!

Das wars erstmal von mir! Das nächste Update dann nach dem Abschlauchen!

Update 2:

Die Gärung ist nun, nach ziemlich genau einer Woche (6 Tagen und 12 Stunden :P) nahezu durch.

Messung mit dem Refraktometer ergibt einen Restextrakt von etwa 7 Brix (bereinigt etwa 2,7° Plato). Laut Rechner also etwa 70% Vergärgrad und ein Alkoholgehalt von 4,3 %. Da Anfangs ja gut 1-2 Brix an nicht vergärbaren Inhaltsstoffen rausgelöst wurden ist es durchaus im Rahmen, eigentlich sogar sehr gut. Auch, da das Bier jetzt sowieso noch einmal 3-4 Tage Zeit hat nachzugären.

Geschmacksprobe Jungbier: angenehm kräftige Bitternote, leicht blumige Hopfennote, wider erwarten wenig süß, angenehm weicher Körper, leichte unerwartete Säure (dazu unten mehr).
Optisch ein sehr ansprechendes Braun (was man so im Fass mit Schwebstoffen und co halt sieht, ne ;-).

Zeit für das Hopfenstopfen:

2g Chinook (Reste)
28g Citra (Reste)
20g Mandarina Bavaria

Aromatisierung mit 3 Zimtstangen

Dauer: 3-4 Tage

Zur Säure:
Ist jetzt nicht wirklich schlecht, recht erfrischend sogar, aber passt nicht so ganz zu meiner Vorstellung von dem Bier, eher zu den Sommerbieren.
Habe auch nochmal etwas mehr als nur die Probe vom Refraktometer gekostet und es schmeckt keines Wegs schlecht. Da ich auch sauber gearbeitet habe und vom Geruch und Geschmack her schließe ich auch eine Verunreinigung aus (Ich denke das würde man doch recht deutlich merken ;-)).
Das Wasser hier ist einfach auch gut 6°DH weicher als das in Leipzig, ergo ist das Bier unter gleichen Bedingungen per se etwas saurer. Und Ale-Hefen produzieren nun einmal auch Ester, Verbindungen aus Säuren und Alkoholen.
Auch hab ich mit dem Mandarina Bavaria keine Erfahrung außer verkosten fertiger Biere. Vom Geruch her schätze ich ihn aber nicht so spitz in der Säure sondern eher süßlicher ein. Geschmacklich hat er aber, wie der Name schon sagt, ein ausgeprägtes Mandarinenaroma mit Hauch anderer Zitrusfrüchte.

Aber wie immer: Der Geschmack eines Bieres verändert sich so extrem während der Gärung, Nachgärung und auch Lagerung, dass man vom Geschmack des Jungbieres leider eher wenig auf den Geschmack des fertigen Bieres schließen kann.

So wie ich es jetzt einschätze wird es aber recht frisch fruchtig mit einer angenehm starken, leicht süßlichen Zimtnote.

Nicht wie geplant, aber ich denk auch nicht gerade schlecht. Vielleicht wird es auch DAS Sommerbier des Jahres 2017. :D

Wir werden sehen!